Finale.

Es ist die letzte Hausarbeit meines Studiums und ich quäle mich wir bei keiner anderen zuvor. Ein bloßer Jammer. Alle zwei Sekunden schaue ich auf mein Handy und bin beleidigt, dass dort nichts passiert. Facebook kenne ich auswendig. Instagram hat gar nicht so viele Herzen, wie ich gerade verteilen könnte. Bei Twitter habe ich zwar keine Account, es jedoch trotzdem geschafft die meisten Hashtags auswendig zu lernen. Alle außer #thedress. Weil das ist hellblau und gold.

Lieber Gott. Ich verlange nicht viel. Aber bitte. Lass mich mein Gehirn endlich anmachen und den Scheiß fertig schreiben. IRGENDWIE.

Und wie ich noch vor zehn Jahren gesagt hätte, im PoWi-Unterricht neben L sitzend: I need help. From the orange. So, jetzt ist es raus.

Frisch zu Werke. Oder so.

Army of fortune

Trotz katastrophaler Updaterate, sehe ich gerade, dass sich hier immer noch 1-2 Menschen am Tag hinverirren. Herzlich Willkommen, ihr treuen Seelen!

Und ohne nun einen Monolog über das Leben an sich und mein Leben im Speziellen halten zu wollen, sei hier nur kurz dieses Lied gepostet:

Lieblingsmenschen, Armee des Glücks und Diamenten dieser Welt – fühlt euch geliebt!

So muss es gewesen sein.

Olliver Bierhoff war neulich auf dem Tag der offenen Tür irgendeiner Grundschule am Starnberger See. Dort wurden neben Kaffee und Kuchen auch Geduldsspiele angeboten. oliver Bierhoff versuchte sich am Legen eines Rechtecks aus asymetrischen Einzelteilen. Er fand kurzfristigen Gefallen daran.
Etwa zwei Wochen später verlor die deutsche Nationalmannschaft ein “historisches Spiel” gegen Polen. Für Joachim Löw ist das kein Beinbruch, Manuel Neuer gibt einen Fehler zu und Karim Bellarabi rennt wahrscheinlich immer noch von Tor zu Tor, in der Hoffnung, die Niederlage abwenden zu können. Oliver Bierhoff jedoch, dem fällt da dieser Tag der offenen Tür im Starnberger Spätsommer ein. “Geduld”, denkt er sich, “Geduld brauchen wir jetzt.” Und da der Fußball von Symbolik lebt wie kaum ein anderer Sport , rekrutiert Oliver Bierhoff noch in der Nacht sämtliche Sozial-, Spiele- und Abenteuerpädagogen des Ruhrgebiets und lässt sie ihre Keller entrümpeln. Auf dass sie sämtliche “Methodenspiele”, die sie entweder längst vergessen oder zu oft mit den FSJlerinnen des Jugendtreffs Essen gespielt haben, herauskramen und am Montag zu den Herren Weltmeister bringen mögen.
Das Ergebnis sehen wir hier (bitte unbedingt bis zum Schluss gucken, Musik auf laut):

http://tv.dfb.de/video/geduldsspiele/9708/

Ich gehe davon aus, dass Mats Hummels, der “Typ für solche Spiele”, bis spät in die Nacht hinein mit Neu-Trainer Schneider über den Holzklötzen grübelte und am nächsten Morgen beim Frühstück den “gruppendynamischen Aspekt” jener Spiele lobte. Joachim Löw lächelte daraufhin leicht geniert. Ich stelle mir vor, wie Lukas Podolski daneben sitzt und immer noch nicht fassen kann, dass wirklich ein Schlüssel in das Schloss passen sollte. Oliver Bierhoff setzt sich daneben und fragt Ron-Robert Zieler, wie oft er den heißen Draht habe berühren müssen. “War gar nicht so einfach”, antwortet dieser und versmalltalkt sich in einen Wirrwarr aus Draht, Holz und Funken, während man am anderen Ende des Tisches Matthias Ginters Erleichtung, in Zukunft wirklich nur noch Fußballrätsel lösen zu müssen, von seiner Stirn ablesen kann. Ich sehe weiterhin Manuel Neuer und Thomas Müller etwas weiter abseits, sie unterhalten sich an diesem Morgen nur wenig, stockend, still. Thomas Müller entgleitet ein “Des interessiert mi ois ned, der Scheißdreck. Den Pott hammer!” und Manuel Neuer lächelt Oliver Bierhoff wohlwollend, verwirrt und pflichtbewusst zugleich, er ist schließlich gerade Kapitän, zu. Und während dieser schnell die angereisten Pädagogen verabschiedet und ihnen für das kleine Intermezzo dankt, sehe ich Jerome Boateng Musik hören und Karim Bellarabi um den Tisch rennen. Immer noch möchte er die Niederlage gegen Polen verhindern, immer noch weiß Poldi nicht, wie er diesen verdammten Schlüssels ins Loch bringen soll. Mario Götze stößt hinzu, tippt gelangweilt auf seinem Handy rum. Er schreibt wohl Marco Reus: “Hast nichts verpasst. Mussten gestern irgendeinen Quatsch mit Geduld spielen. Hab geschwänzt.” Und während Erik Durm Mario Götze naiv fragt, ob seine Kopfschmerzen wieder besser seien, höre ich, wie Julian Draxler mit seiner Mutter telefoniert: “Kannst du mir meine alten Lück-Spiele nach Gelsenkirchen schicken?” Toni Kroos betritt den Raum und muss erneut feststellen, dass Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miro Klose und Per Mertesacker auch an diesem Morgen fehlen. So setzt er sich neben Mats Hummels und lässt die immer noch andauernde, viel zu euphorische Diskussion über asymetrische Holzklötze über sich ergehen, sehnt sich aber danach, mit ihm bald wieder über Fußball sprechen zu können.

Insgesamt empfinde ich bei diesem Video also eine Mischung aus Rührung und Mitleid darüber, dass dort Millionäre und Weltmeister, hinterlegt mit Heldenmusik, Jugendgruppen-Spiele spielen. Andererseits hat dieses Video meine Phantasie so beflügelt wie lange keins zuvor. Danke, Oliver Bierhoff! Danke, Starnberger See!

Der liebe Gott!

Es ist verrückt! Nach Monaten des Desinteresses für diesen Blog durchstöbere ich ihn heute mal wieder, schaue mir die Videos an, die ich einst in Dauerschleife hörte und erinnere mich an jede einzelne Situation, die ich hier geschildert habe. Weit, weit blätter ich zurück und stoße eben auf den 27.9.2011.

“Dankbarkeit – Liebe Leserschaft,

ich weiß, dass ihr mir eigentlich zuhauf zu meinem heutigen Jubiläum gratulieren wolltet.”

Darauf stoße ich und stelle also fest, dass ich pünktlich zum vierjährigen Jubiläum mal wieder hier vorbeischaue und eigentlich so wahnsinnig viel zu berichten hätte. Großes und Kleines, Unwichtiges, Pathetisches, Lustiges und Tragisches. Aber vor allem Lustiges, natürlich. Was mir die letzten Tage am meisten durch den Kopf geht, ist die “Party, die der liebe Gott gerade feiert” (Danke an C für diese so passende Lebenserklärung!). Wenn man nämlich genau aufpasst, passieren ständig Dinge in diesem verrückten Leben, bei denen sich derjenige, der sich das Drehbuch dazu ausgedacht hat, in einer Art humoristischem Dauerrausch befinden muss. Ich stelle mir vor, wie Gott da oben sitzt und eine Party arrangiert hat, die in unserer Zeit gemessen wochenlang anhält. Für ihn sind es nur ein paar Stunden, vielleicht zwei Tage. Als Partyspecial hat er seinen Gästen ein paar “Gucklöcher” Richtung Erde vorbereitet. Wer da durchschaut, sieht Live-Sketche aus unserem Leben und amüsiert sich prächtig. Ich stelle mir vor, wie die himmlischen Gäste dabei zusehen, wie meine Eltern eine Party für die 50-jährige Freundschaft zwischen meinem Vater und seinem Freund geben. Wie mein Opa aus diesem Anlass einer seiner herrlichen Reden hält und ich, als biedere Tochter, in einer anderen Stadt meinen spießigen Samstagseinkauf tätige. Zu sehen wäre auch, wie vier Mädchen, drei Zwerge (einer davon ich) und eine große Schwedin, auf einem Schiff mit 300 Kölnern sind und dort Karneval feiern. Mitten im Sommer und in einem Land, das nie etwas mit Karneval am Hut hatte. Oder diese gesamte Situation um C.s akute Steißbeinentzündung, die zwischen all der Tragik mit einer Komik daherkommt, wie sie Loriot nicht besser hätte beschreiben können. Mehr dazu vielleicht wann anders, wenn ich endlich wieder Muse finde, hier etwas reinzuschreiben.

Bis dahin bleibt mir und diesem Blog nur, uns mal wieder herzlichst selbst zu gratulieren. Grattis till mig! Tack så jättemycket, tack tack! Pünktlich zum vierten Jahrestag wurde mir gestern übrigens von drei Personen (unabhängig voneinander) empfohlen, einen Blog zu starten. Ach, wenn ihr wüsstet!

Half a year away

Fast ein halbes Jahr ohne Jugendarbeit – es fühlt sich an wie ein ganzes Leben. Offiziell bin ich einen Monat raus, habe aber seit Oktober nicht mehr wirklich was gemacht. Wegen Umzug, Uni und Arbeit.  Es passiert so viel in so kurzer Zeit! Da etablieren sich ganz neue Strukturen, neue Freundschaften, Witze, Regeln, neue Kommunikation, neue Insider, von denen ich jetzt schon nichts mehr verstehe. Das ist gut, das muss so. Aber: mein weinendes Auge hat sich immer noch nicht ganz beruhigt.
Ich bin noch im Email-Verteiler des Leitungsteams, in dem ich so ewig war. Ich bin noch Teil von zwei Whats App-Gruppen, die darüber so viel regeln. Natürlich schweige ich, auch wenn ich so viel Senf dazuzugeben hätte. So gerne würde ich mitreden, auch wenn es nur darum geht, was beim nächsten Treffen gegessen wird. Aber ich weiß natürlich, dass auch ohne mich etwas mehr oder weniger Sinnvolles gegessen wird. Ich weiß natürlich, dass auch ohne mich die nächste Veranstaltung blendend läuft, auch wenn ich mitkriege, dass eine Woche vorher noch kein Zeitplan steht. Und ich weiß natürlich, dass die letzte Konferenz auch ohne mich so schlaue Ergebnisse hervorbrachte, wie wenn ich selbst mit abgestimmt hätte.

Aber ich kann mir den kleinen Kloß im Hals nicht verkneifen. Ich kann nicht bei Facebook einen Post von ihnen liken, ohne mir ein bisschen zu wünschen, es selbst geschrieben zu haben. (Und es vielleicht ein klein bisschen anders formuliert zu haben.)

Dieses ewige Nachtrauern. Es ist vielleicht doch nur das beste Zeichen dafür, dass ich meine gesamte Jugend lang meine Zeit auf beste Weise “verschwendet” habe. Dass der ganze Matsch unter meinen Fingernägeln und die schlaflosen Nächte so viel goldrichtiger waren als alles, womit ich mich alternativ dazu hätte beschäftigen können. Danke Gott, dass ich das Turnen irgendwann nicht mehr ernstnahm und die Wettkämpfe gegen Wochenendfreizeiten eintauschte! Danke, dass ich ein paar Partys verpasste, weil ich nicht in der Stadt war, sondern in einem Selbstversorgerhaus irgendwo im Wald.
Da kam so viel mehr bei rum.

Ach, Helene!

Wir ich vor drei Jahren noch den Menschen erklären musste, wer Helene Fischer ist und warum ich genau ihr einen Brief schreiben muss. Für meinen Opa, für seinen Geburtstag, damit er sie live sehen kann, obwohl wir keine Karten mehr bekommen haben. Und wie fragend die Blicke waren, als ich schließlich erzählte, wie sehr sich ihre Mitarbeiterin für “den süßen Brief” bedankt hat. Da dachten alle, ich solle mich nicht so freuen über einen Antwort von einem durchschnittlichen Schlagermädchen. Denn da war Helene noch nicht bei uns angekommen! Da war es nur mein Opa, der Trendsetter, der von Helenes Zauber wusste. Wie die Augen erstrahlten, als er sie in der Hitparade sah… und wie vehement er sie vor uns Enkeln verteidigte!

Und jetzt? Ich sitze in meinem Zimmerchen und höre Helene. Shame. Oh, the shame! Aber ich kann nichts dafür, ich habe einfach Bock drauf. Shit.
Hier ein Video, bei dem ich an nichts anderes denken kann als an als die Freude, die die Zuschauer wohl gehabt haben müssen. Ob sie sich heute noch von diesem schönen Sommerabend erzählen, als Helene “Biene Maja” sang? Bestimmt.

Zwischenbericht

Jajamensan, viel zu tun und so. Aber hier kommt ein kurzer Bericht zu Studium und vielleicht auch Leben. Oder nur Studium, wir werden sehen.
Im Juni habe ich mich erstmals für diesen Studiengang interessiert und dem Institut eine Email geschrieben. Nach einer zehnminütigen Aufnahmeprüfung per Telefon (!) hatte ich schließlich, ohne Bürokratie und unnötige Papiere, meinen Studienplatz. Was ich nicht wusste: Neben mir würden noch genau vier andere genau diesen Master machen. Und, sagen wir es so: Ich studiere nicht gerade in Unter-Hupfingen. Sondern eher in einer großen Stadt, mit viel Prunk und Glanz. Aber das hatten wir ja schon.
Im September kam ich also in die Stadt und schaute mich an meinem neuen Institut um, begutachtete das Hauptgebäude und befand, abgesehen von der fehlenden Mensa, alles für schön, alt und prunkvoll.
Kurz bevor die Uni losging, bekam ich dann eine Email. Ich war noch nicht ordentlich immatrikuliert und somit konnte ich mich nicht online zu Veranstaltungen anmelden. Aber wie ich das von meiner alten Massen-Uni gewohnt war, hoffte ich einfach auf gnädige Professoren und Dozenten in der ersten Vorelsungswoche, die mir im besten Fall einen Platz in ihrem Seminar verschaffen würden. Aber Nein, ich bekam eine Email von der Assistentin der Institutsleitung. Die Institutsleitung würde sich fragen, ob es bei meiner Immatrikulation bleibe und ob ich an ihren Seminaren teilnehmen möchte. Falls ja, sollte ich einfach eine kurze Email schreiben. Und das auch an alle anderen Dozenten, bei denen ich gerne zuhören würde. Auf meine Antwort, dass ich geplant hatte, mich auf eine Warteliste in der ersten Vorlesungswoche setzen zu lassen, kam die Antwort: Als Masterstudentin kriegst du (ja, Du!) schon überall einen Platz. Keine Sorge.

Mein erster Gedanke: Wieso denkt hier jemand an mich? Und wieso denkt hier vor allem jemand für mich? Und warum duzt man mich? Und warum erinnert man sich überhaupt an mich, wo der letzte Kontakt doch schon drei Monate her war?

Jetzt, fast ein Semester später, habe ich ein paar Antworten auf diese Fragen. Die Hauptantwort ist wohl die, dass wir zu fünft sind in meinem Studiengang. 5. Fünf. Fem. 5 Personen, die genau das gleich studieren wie ich. Natürlich gibt es noch andere Masterstudenten, aber die haben andere Schwerpunkte. Und da ich also nun eine von fünf, und nicht mehr eine von 5000 bin, genieße ich gerade Uni 2.0: Professoren, die nicht nur meinen Namen können (obwohl ich davon schon schwerstens beeindruckt war in der zweiten Semesterwoche), sondern auch noch wissen, wo ich arbeite, was ich studiert habe, was ich kann, was ich weiß, wofür ich mich interessiere und wo ich herkomme. Und dass ich Karneval mag. Und dass ich eine Vorliebe für schwedischen Adel habe. Und dass ich der deutschen Romantik nicht abgeneigt bin.
Dozenten, die mich duzen und auch außerhalb der Uni erkennen würden. Und die sich innerhalb weniger Tage um ein Stipendium für mich Schlau machen und alte Freunde anschreiben, damit sie mir Kontakte zu ausländischen Unis herstellen. Jetzt schon, für meine Masterarbeit, die in einem Jahr erst beginnt.
Ich könnte ewig weiterreden über diesen Pamper-Studiengang, mit seinen 6-Mann-Seminaren und Sprachkursen mit Gruppenarbeit soweit das Auge reicht. Aber nun muss ich mich leider auf eine Sprechstudne morgen vorbereiten. Dort werde ich so einiges bereden, aber wohl vor allem meine nächste Hausarbeit und die Sache mit der Masterarbeit. Und das beste daran: Während ich mich im Bachelor noch in eine Liste eintragen musste, die im Vier-Minuten-Takt die Zeit mit de Professor berechnet hat, fragte ich meine Professorin heute, wie ich mich für ihre Sprechstunde anmelden kann. Die Antwort: Ein verdutztes Gesicht und “Ich musste noch nie jemanden wegschicken.”. Adieu, stundenlanges Bodensitzen vor verschlossenen, anonymen Professorentüren!