Elend.

Der Sommer ist in der Stadt und ich habe die unentspannteste Gemütslage aller aller Zeiten. Nächsten Montag ist Abgabe. Ich bin fertig, quasi. Nur eine Fußnote fehlt zum Masterarbeitsabgabeglück. Und dann drucke ich in einer Woche. Wenn ich das Wort “drucke” schreibe, kriege ich Bauchschmerzen und Übelkeit und eine leichte Ohnmacht. Alles Elend gleichzeitig.

Ich will nicht durchfallen. Ich will einfach nur fertig sein. Einfach. Nur. Fertig. Sein.
Niemals will ich promovieren und dann nochmal jahrelang an einem Text sitzen, den keiner jemals wirklich liest und der nicht eine klitzekleine Rolle in der Nachwelt spielen wird. Das ist das Schlimmste daran: Die Masterarbeit wird fertig, gedruckt und hoffentlich auch bestanden. Aber sie juckt keinen außer mich und die zwei dann hoffentlich zu mir gehörenden Buchstaben M und A.

Ja, ihr lest richtig. Wie K sehr weise vor drei vorausgesagt hat, bin ich nun inmitten einer Masterarbeitspanik und komme aus dieser wohl auch nur raus, sobald ich das Ergebnis habe. Ich möchte brechen.

So viele Sprachen!

Ich habe eben den Versuch gestartet, mich über meine eigene Mehrsprachigkeit auszulassen. Er ist gescheitert. Ich versuche nicht weiter, es zu erklären, sondern poste nun einfach dieses Video und werfe Folgendes In den Raum: Wie seltsam eigentlich, dass ich hier alles verstehe? Und wie seltsam eigentlich, dass mein Gehirn das nicht übersetzt, sondern einfach versteht?

Abgesehen von den wirren Gedanken, ist dies ein schönes Lied. Norwegisch übrigens! Wie konnte es nur dazu kommen, dass ich Norwegisch verstehe und heute auch noch dazu eingeladen wurde, an einem Public Viewing teilzunehmen. Ein Public Viewing, das eine Konferenz in Kopenhagen verfolgt. Eine Konferenz über einen schwedischen Dialekt. Über Älvdalska. Lieber Gott, wann ist endlich Schluss mit dieser Freakigkeit?

Wie dem auch sei. Als ich heute im Uniflur stand, unterhielt ich mich mit einem Kommilitonen auf Deutsch. Hinzu kam eine Dozentin, die mich etwas auf Schwedisch fragte und daneben spielte sich ein dänisches Gespräch ab. Alles lief irgendwie in meinem Gehirn problemlos zusammen. Dafür möchte ich dir danken, liebes Gehirn. Danke, dass so viele Sprachen nicht nur Laute für mich sind, sondern tatsächlich Sinn ergeben. Gelobt sei die Brotlosigkeit der Skandinavistik, der Wirrwarr des Russlanddeutschen und die Konsistenz von Schulfranzösisch.

Lukas. Oh Lukas.

Ich habe so viel von dir gelernt. Du warst meine Jugend, mein Sommermärchen und mein Studium, meine Weltmeisterschaft. Du hast das kölsche Herz und den rheinischen Frohsinn. Und nun auch noch eine Kleiderlinie. Lukas, wenn du wüsstest, wie sehr du mir mit diesem Pullover aus der Seele sprichst!

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Lange habe ich darüber nachgedacht, mir zum Abschluss des Studiums einen Pullover meiner Universität zu kaufen, vielleicht sogar auch von beiden. So wie ein Abi-Shirt, das man sich zum Abschluss kauft und dann zweimal beim Grillen anhat, bevor man es höchstens in größter Verlegenheit zum Schlafen anzieht. Das hätte ich mir also gekauft und wäre in zwei Jahren zufällig beim Aussortieren darüber gestolpert und hätte vermutlich kurz wehmutig dreingeblickt und es dann wieder zurück gelegt. Wohin auch anziehen? Weiß doch jeder, dass man irgendwo studiert haben muss?

Aber Lukas, da du nun deine eigenen Uni-Pulli-Linie auf den Markt gebracht hast, sind diese Pläne verworfen. Ich brauche nur noch eins: Die University of Straße. Mit deinem Antlitz.

Finale.

Es ist die letzte Hausarbeit meines Studiums und ich quäle mich wir bei keiner anderen zuvor. Ein bloßer Jammer. Alle zwei Sekunden schaue ich auf mein Handy und bin beleidigt, dass dort nichts passiert. Facebook kenne ich auswendig. Instagram hat gar nicht so viele Herzen, wie ich gerade verteilen könnte. Bei Twitter habe ich zwar keine Account, es jedoch trotzdem geschafft die meisten Hashtags auswendig zu lernen. Alle außer #thedress. Weil das ist hellblau und gold.

Lieber Gott. Ich verlange nicht viel. Aber bitte. Lass mich mein Gehirn endlich anmachen und den Scheiß fertig schreiben. IRGENDWIE.

Und wie ich noch vor zehn Jahren gesagt hätte, im PoWi-Unterricht neben L sitzend: I need help. From the orange. So, jetzt ist es raus.

Frisch zu Werke. Oder so.

Army of fortune

Trotz katastrophaler Updaterate, sehe ich gerade, dass sich hier immer noch 1-2 Menschen am Tag hinverirren. Herzlich Willkommen, ihr treuen Seelen!

Und ohne nun einen Monolog über das Leben an sich und mein Leben im Speziellen halten zu wollen, sei hier nur kurz dieses Lied gepostet:

Lieblingsmenschen, Armee des Glücks und Diamenten dieser Welt – fühlt euch geliebt!

So muss es gewesen sein.

Olliver Bierhoff war neulich auf dem Tag der offenen Tür irgendeiner Grundschule am Starnberger See. Dort wurden neben Kaffee und Kuchen auch Geduldsspiele angeboten. Oliver Bierhoff versuchte sich am Legen eines Rechtecks aus asymetrischen Einzelteilen. Er fand kurzfristigen Gefallen daran.
Etwa zwei Wochen später verlor die deutsche Nationalmannschaft ein “historisches Spiel” gegen Polen. Für Joachim Löw ist das kein Beinbruch, Manuel Neuer gibt einen Fehler zu und Karim Bellarabi rennt wahrscheinlich immer noch von Tor zu Tor, in der Hoffnung, die Niederlage abwenden zu können. Oliver Bierhoff jedoch, dem fällt da dieser Tag der offenen Tür im Starnberger Spätsommer ein. “Geduld”, denkt er sich, “Geduld brauchen wir jetzt.” Und da der Fußball von Symbolik lebt wie kaum ein anderer Sport, rekrutiert Oliver Bierhoff noch in der Nacht sämtliche Sozial-, Spiele- und Abenteuerpädagogen des Ruhrgebiets und lässt sie ihre Keller entrümpeln. Auf dass sie sämtliche “Methodenspiele”, die sie entweder längst vergessen oder zu oft mit den FSJlerinnen des Jugendtreffs Essen gespielt haben, herauskramen und am Montag zu den Herren Weltmeister bringen mögen.
Das Ergebnis sehen wir hier (bitte unbedingt bis zum Schluss gucken, Musik auf laut):

http://tv.dfb.de/video/geduldsspiele/9708/

Ich gehe davon aus, dass Mats Hummels, der “Typ für solche Spiele”, bis spät in die Nacht hinein mit Neu-Trainer Schneider über den Holzklötzen grübelte und am nächsten Morgen beim Frühstück den “gruppendynamischen Aspekt” jener Spiele lobte. Joachim Löw lächelte daraufhin leicht geniert. Ich stelle mir vor, wie Lukas Podolski daneben sitzt und immer noch nicht fassen kann, dass wirklich ein Schlüssel in das Schloss passen sollte. Oliver Bierhoff setzt sich daneben und fragt Ron-Robert Zieler, wie oft er den heißen Draht habe berühren müssen. “War gar nicht so einfach”, antwortet dieser und versmalltalkt sich in einen Wirrwarr aus Draht, Holz und Funken, während man am anderen Ende des Tisches Matthias Ginters Erleichtung, in Zukunft wirklich nur noch Fußballrätsel lösen zu müssen, von seiner Stirn ablesen kann. Ich sehe weiterhin Manuel Neuer und Thomas Müller etwas weiter abseits, sie unterhalten sich an diesem Morgen nur wenig, stockend, still. Thomas Müller entgleitet ein “Des interessiert mi ois ned, der Scheißdreck. Den Pott hammer!” und Manuel Neuer lächelt Oliver Bierhoff wohlwollend, verwirrt und pflichtbewusst zugleich, er ist schließlich gerade Kapitän, zu. Und während dieser schnell die angereisten Pädagogen verabschiedet und ihnen für das kleine Intermezzo dankt, sehe ich Jerome Boateng Musik hören und Karim Bellarabi um den Tisch rennen. Immer noch möchte er die Niederlage gegen Polen verhindern, immer noch weiß Poldi nicht, wie er diesen verdammten Schlüssels ins Loch bringen soll. Mario Götze stößt hinzu, tippt gelangweilt auf seinem Handy rum. Er schreibt wohl Marco Reus: “Hast nichts verpasst. Mussten gestern irgendeinen Quatsch mit Geduld spielen. Hab geschwänzt.” Und während Erik Durm Mario Götze naiv fragt, ob seine Kopfschmerzen wieder besser seien, höre ich, wie Julian Draxler mit seiner Mutter telefoniert: “Kannst du mir meine alten Lück-Spiele nach Gelsenkirchen schicken?” Toni Kroos betritt den Raum und muss erneut feststellen, dass Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miro Klose und Per Mertesacker auch an diesem Morgen fehlen. So setzt er sich neben Mats Hummels und lässt die immer noch andauernde, viel zu euphorische Diskussion über asymetrische Holzklötze über sich ergehen, sehnt sich aber danach, mit ihm bald wieder über Fußball sprechen zu können.

Insgesamt empfinde ich bei diesem Video also eine Mischung aus Rührung und Mitleid darüber, dass dort Millionäre und Weltmeister, hinterlegt mit Heldenmusik, Jugendgruppen-Spiele spielen. Andererseits hat dieses Video meine Phantasie so beflügelt wie lange keins zuvor. Danke, Oliver Bierhoff! Danke, Starnberger See!