Von guter Qualität.

Ich war heute bei IKEA. Mit meiner Mutter, für die es der zweite Besuch ihres Lebens bei IKEA war. Und nein, meine Mutter ist nicht 6 Monate alt. Sie ist bald 50 und war in ihrem Leben erst unschuldige 2 Mal bei IKEA. Wie sie das geschafft hat? Bis ich ungefähr 15 wurde, hatte meine Mutter die Macht über meine Kinderzimmereinrichtung. Und das beudeutete, dass ich niemals Schrott kaufen durfte. Sowieso habe ich in meinem Leben erst einmal Möbel gekauft. Ja, als 12, 15 und 18-jährige war das etwas peinlich, dass man nie zu IKEA durfte und nie ein Billy-Regal besessen hat. Stattdessen durfte ich Hülsta-Möbel haben. Ein Privileg für manche, aber für mich damals eine Blamage. Hülsta-Möbel sind zeitlos, massiv, stabil und vor allem: ein Leben lang haltbar. Während die Billy-Regale meiner Freunde alle 5 Jahre ausgetauscht wurden, bin ich vor genau (auf den Tag genau) einem Jahr mit einem Teil meiner Kinderzimmermöbel in meine Studentenbude gezogen. Und keiner merkt ihnen an, dass ich darin sowohl Barbies als auch dicke „Sicher zum Abi-Mathebücher“ verstaut habe. Meine Mutter hatte demnach nie das Bedürfniss zu IKEA zu fahren. Nein, auch nicht für Deko-Zeug. Das gab es auch von überall, nur nicht von IKEA. Wie das allerdings ging, kann ich mir bis heute nicht erklären.

Ich musste also nach 2-monatiger Abstinenz wieder zu IKEA. Und nötigte meine Mutter, mitzufahren. Ausgerechnet. Hier trafen Welten aufeinander. Ich brauchte einen Teppich und meine Mutter hatte bei allen in Frage komenden Teppichen das Bedürfnis, sie umzudrehen, die Verarbeitung anzuschauen und mir schließlich zu erklären, dass dieser Teppich „nach zwei mal drüber laufen“ weg zu schmeißen wäre. Auch die Pfanne für 1,99 € kam unter kritische Blicke: „Ist die denn gut?“. „Mama, die kostet 2 Euro. Sie wird es nicht mit deinen Pfannen aufnehmen können. Aber verhungern werde ich wegen ihr nicht.“ Und so ging der Gang durch den ganzen Laden weiter. Selbst Aufbewahrungsdosen sollte ich nicht kaufen. Lieber etwas sparen und gleich bei Tupper bestellen.

Ich glaube, das ist Teil des Generationenkonflikts. Meinen Eltern fehlt das Verständnis für IKEA. Warum soll man etwas kaufen, dass weder einen Umzug überlebt noch 35 Jahre Garantie hat?, denken sie. Und ich frage mich: Warum soll ich etwas kaufen, dass 35 Jahre Garantie hat, wenn es mir nach 7 Jahren eh nicht mehr gefällt? Und wenn ich umziehe, möchte ich mich doch am liebsten eh neu einrichten?

Diese Denkweisen ziehen sich durch unser gesamtes Leben.

Meine Eltern lernten etwas anständiges. Ich studiere Germanistik. Mein Zweitfach ist noch brotloser. Meine Eltern leben im Dorf. Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen. Meine Eltern kaufen bio. Ich lasse mich immer wieder von Fertiggerichten verführen.

Und schon bald fahre ich wieder zu IKEA. Mir fehlen noch zwei Sessel.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s