Produktiver Tag

Nur um andere ein bisschen neidisch zu machen, die heute eventuelle nur Blödsinn gemacht haben.

Bis jetzt habe ich folgendes geschafft:

  • zwei Abgaben tatsächlich pünktlich abgegeben
  • zwei Bücher gelesen (Ja, beide heute von Anfang bis Ende)
  • gearbeitet
  • geunit
  • gemenst
  • Plätzchen gebacken
  • fast Wäsche gewaschen. Der volle Waschkeller kam mir zuvor. Aber ich WAR SCHON UNTEN.
  • seitenweise geschrieben (für die Uni, dieser Quatsch hier zählt nicht)
  • rumbaldosert

Ja. Ein Tag kann manchmal auch genutzt werden. Wenn man mal aus seiner Schockstarre erwacht ist, die so eintritt, wenn Dozenten jenseits von Gut und Böse Hausaufgaben augeben.

Baaaaald bald bald

Nächste Woche ist wieder Wetten, dass. Und wer meinen Blog fleißig liest, hat mitgekriegt, wie sehr ich diese urdeutsche Sendung liebe. Thomas ist Kindheit. Samstag Abend, nach dem Baden. Oder nach dem Füßewaschen, als man den ganzen Sommer barfuß auf dem Spielplatz verbracht hat. Und dann abends Thomas Gottschalk. Die Musikbeiträge waren schon immer langweilig. Da schlief man kurz und ließ sich pünktlich zum nächsten schlechten Witz von Thomas wecken.

Ja. Und am Samstag ist es wieder soweit. Ganz Europa fragt sich, was die Deutschen an dieser Sendung finden. Vollkommen unbekannte Sauerkrautfresser zeigen ein paar Kunststücke. Ziehen sich an Klopapier über einem Swimmingppol hoch. Können Wurstwasser am Geruch erkennen. Oder machen Faxen mit ihrem Trecker. Das ist so deutsch. Das wird kein anderer verstehn, außer er hat die deutsche Kultur früh genug kennengelernt. So herrlich.

Wie gerne würde ich das zuhause gucken. Mein blöder Laptop würdigt diese ZDF-Glanzstunde nicht. Meine Couch ist zu unbequem für Thomas und seine Gäste. Ich bilde mir ja immer ein, das wäre meine Couch. Ach, wie gerne wäre ich am Samstag im Dorf und würde um 20.15 Uhr die Eurovisionhymne durch große Boxen und die Sterne auf einem normalen Fernseher sehen.

Liebe Elternfraktion, wehe ihr verpennt „Wetten, dass..“ am Samstag.

Scheiße, Deutschland!

Ich steige in die U-Bahn und mein erster Blick fällt auf einen kleinen Jungen. Etwa 8 jahre alt, aber eigentlich kann ich das gerade bei ihm überhaupt nicht einschätzen. Er sitzt da in dieser viel zu vollen Ubahn, um 21.30. Keine Begleitung, kein Erwachsener, der ihm alle fünf Minuten sagen könnte, wie lange es noch ist und, dass er gleich ins Bett kann. Stattdessen drei große, schwere Taschen. Viel größer als meine einzige Reisetasche, über die ich mich schon seit Beginn meiner kleinen Reise beschwere. Und davon zwei. Der kleine Junge kann nicht richtig sitzen, weil auf seinem Rücken immernoch ein breiter Rucksack hängt. Breit, schwer, dreckig, löchrig. Ich gucke genauer in sein Gesicht. Und überlege, wie alt er sein könnte. Er ist blass. Hat wenig kindliche Züge. Keine roten wangen vom vielen Spielen, nur blass und erschöpft. Aber ernsthaft erschöpft. Und er sitzt da und nörgelt nicht. Mit wachen Augen sitzt er da und schaut in der U-Bahn herum.

Zum Glück wird mein Gestarre von einem Satz, den ich höre, unterbrochen. „Wir haben ja 10 Millionen für die Produktion….“ 10 Millionen. Stolze Summe, über die der Mann mit seinen schicken Seglerschuhen da in aller Öffentlichkeit redet. Er faselt etwas von Investoren und Aufnahmen und Drehorten. 2 Millionen für einen Außendreh in den USA. Und eine Million kriegt man schnell. Ich bin geschockt. Mitten in der U-Bahn, umringt von Reisegeplagten redet er über seinen nächsten großen Film. Ich wunder mich, mit wem er da telefoniert. Wer er ist. Fahre ich vielleicht gerade mit einem berühmten Regisseur U-Bahn? Sollte ich deutsche Filmemacher googeln und nach seinem Gesicht suchen?

Und dann kombiniere ich beide Eindrücke. Der Mann sitzt dem Jungen gegenüber, ich stehe zwischen ihnen. Ich gucke auf die Hände des Jungen. Alt, trocken, groß und irgendwie stark. So, als seien sie es gewöhnt, anzupacken. Die großen Taschen sind für sie leider kein Problem. Ich denke weiter über das Alter des Jungen nach. Er kann nicht älter als 10 sein. Aber er wirkt so unglaublich erwachsen. Viel zu erwachsen. Er sitzt da und fährt alleine U-Bahn. Er hat keinen zum Vollnörgeln. Er schleppt zwei Riesentaschen und einen Wanderrucksack mit sich rum. Ich kriege einen dicken Kloß im Hals.

Und dann wieder das Gespräch über den Dreh. Eine Million kriegt man ja schnell, beruhigt der Mann seinen Gesprächspartner.

Es fällt mir schwer, zu glauben, dass beide Eindrücke eigentlich einer einzigen Situation angehöre, in genau dem gleichen Moment abspielen. Innerhalb eines Quadratmeters. Und ich werde traurig. Nicht mal wütend auf den Mann, der mit seinen Millionen prahlt. Einfach nur traurig. Ich frage mich, was eigentlich noch passieren kann. Und ich wunder mich, wo manche Menschen ihre Schamgrenze haben. Und mittendrin schäme ich mich, dass ich da stehe mit meinen Laptop und den neuen Schuhen. Während links von mir ein Junge in alten Kleidern und zu großen Schuhen sitzt.

Und das einzige, was ich dazu sagen kann, ist: Scheiße, Deutschland! Scheiße, dass Kinder nachts alleine mit ihrem ganzen Lebensstand U-Bahn fahren müssen. Scheiße, dass man einem kleinen Jungen seine Lebenserfahrung ansehen muss. Scheiße, dass auf der anderen Seite des Quadratmeters ein anderer mit Millionen spielt. Scheiße, dass ich mich schäme und ganz unbeholfen da stehe. Mit einem Kloß im Hals, der keinem hilft und die Welt nicht besser macht. Scheiße, Deutschland, was hast du dir dabei gedacht?

Von Glück und alten Gläsern

Seit 398 Jahren haben wir in unserer WG kein Altgals mehr weggebracht. Wir könnten also Marmelade für ganz Deutschland kochen und alles liebevoll in Gläschen umfüllen und jeder würde ein Gals bekommen. Ja, Herr Sarrazin, dazu zähle ich auch diejenigen, die nicht hier geboren wurden. Alle würden ein Altgläschen Marmelade von mir gekommen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich sehe jedenfalls tütenweise Altglas hinter unserer Tür, gebe mir einen klitzekleinen Ruck und mache mich auf den Weg um das alles wegzubringen. Vielleicht hat dieser Ruck auch etwas mit meiner Präsentation morgen und der Abgabe heute abend und dem Essay für Montag zu tun. Aber nur vielleicht. Ich spaziere los, am ahnungslosesten aller Ahnungslosigkeiten und suche mal einen hübschen Glascontainer. Ich laufe einfach drauf los, denn ich habe in dieser Stadt noch nie Altglas weggebracht und keinen blassen Schimmer, wo man sowas hier tun könnte.

So mache ich das immer, wenn ich irgendwo hinmuss, wo ich vorher noch nie war. Ich laufe einfach mal drauf los, wo das ungefähr sein müsste, weiß ich natürlich. Aber wehe ich gucke mir mal den Weg vorher auf einer Karte an. Nein. Um Himmels Willen. Und das schlimme daran ist, dass ich damit auch noch Erfolg habe. Ich komme immer an. Irgendwie und irgendwann. Aber immer. Und mit den Gläsern war es genauso. Ich bin auf direktestem Wege Richtung Glascontainer gelaufen. Kein Umweg. Und er war nicht in meiner Straße, sondern ein paar Straßen weiter. Ich bin einfach da gelandet, ohne auch nur eine Straße zu weit gelaufen zu sein.

Liegt das jetzt daran, dass die Glascontainerdichte hier so hoch ist? Oder habe laufe ich instinktiv immer richtig? Oder ziehen mich Glascontainer an? Oder habe ich diesen Glascontainer doch schon mal gesehen und bin unbewusst richtig gelaufen? Oder gibt es einen Glascontainer-Engel, der darauf spezialisiert ist, kleine Mädchen mit viel zu schweren Altglastüten den richtigen Weg zum Container zu weisen?

Oder hab ich einfach nur immer Glück, wenn ich einfach mal drauf los spaziere?

Karla Kolumna

Liebe Klatsch-Zeitschriften aller Art,

hiermit bewerbe ich mich um eine Festanstellung als Schnüfflerin. Ich bin zu neugierig für diese Welt. In regelmäßigen Abständen fallen mir Menschen ein, die ich seit einer viel zu großen Riesenewigkeit weder gesehen, gehört, gesprochen noch gelesen habe. Und schneller als Facebook Freunde macht, sitze ich auch schon und google sie. Oder suche sie bei Facebook oder suche bei Freunden von Freunden von der Tante des Onkels des Bruders der Mutter in der Freundesliste. Und noch bevor sich besagter Mensch überhaupt in irgendeinem sozialen Netzwerk verewigen konnte, bin ich da und habe schon sein Profil gefunden. Oder habe bei Google von illegalen Machenschaften und Pleiten aus der Vergangenheit gelesen. Oder weiß von einer Trennung noch bevor der Freund per SMS schluss machen konnte.

Ich erschrecke mich selbst davor. Wie kann man so viel Neugierde für vollkommen uninteressante Menschen an den Tag legen? Wie kann einen der Werdegang eines Gardeprinzen interessieren, dem man damals im Tanzverein schon nicht Hallo gesagt hat.

Und diese Fähigkeit, liebe Klatsch-Zeitschriften, lassen sich gut in die Praxis in Ihrem Hause anweden. Ich lese sämtliche Königshaus-Blogs, ich war quasi dabei als Kate Dianas Ring an den Finger gesteckt wurde, nachdem er 3 Wochen im Rucksack transportiert wurde. Ich weiß, wie die Blumenkinder von Victoria mit Vornamen heißen. Was deren Eltern machen. Woher Vicky sie kennt. Und was der König und die Königin damit zu tun haben. Und das schlimmste: ich interessiere mich aus tiefstem Herzen dafür. Nicht nur für Prinzessinnen und solche, die es werden wollen. Ich lausche Gespräche unserer Kiosk-Verkäuferin an der Uni. Ich lasse mir jedes Mal extra Zeit mit meinem Kaffe, damit ich noch schnell zuhören kann, wenn sie mit dem Kiosk-Mann spricht. Sie hat einen Sohn, ist alleinerziehend und würde gerne mal wieder weggehen. Sie lässt sich gerne die Nägel machen. Ihr Sohn hat eine 1 im Sozialverhalten. Und es interessiert mich doch wirklich.

Nehmt mich. Ich decke alle Skandale auf. Auch die unwichtigen.

Im kleinsten Kreis

Da ist Facebook ja genau die richtige Adresse. Vor allem, wenn man 315 Freunde hat. WTF?

p.s.: Nein, ich habe das nicht auf meinen weiten Reisen durch das WWW gefunden. Ganz privat, in meiner eigenen, kleinen Facebook-Freundesliste befindet sich diese Sternstunde der Horizontenenge.