Ein Brief an Maggi

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Sommer diesen Jahres habe ich mir ihre 5 Minuten Terrine – Piratensuppe gekauft. Ich ernähre mich normalerweise nicht von Fertiggerichten, jedoch bot sich diese Suppe für den Verzehr auf einem Festival, das ich im Sommer besuchen wollte, an. Ich kaufte also bewusst nur Maggi-Produkte, da ich Fertigprodukten eher wenig Vertrauen schenke. Nach dem Motto: Wenn schon fertig, dann Maggi.

Als ich diese Suppe nun zubereiten wollte, las ich mir die Zubereitungshinweise auf der Verpackung durch. Und dann der Schock. Auf der Verpackung befindet sich der Hinweis für Kinder, dass sie auch IHRE MUTTER um Hilfe bitten können.

Hier stellen sich mir einige Fragen, die mir seit Juni diesen Jahres im Kopf herumschwirren. Bitte entschuldigen Sie, dass ich mich erst jezt dazu äußere, es war mir aus zeitlichen Gründen nicht anders möglich.

1) Was vermittelt Maggi an die Kinder, wenn explizit gesagt wird, dass man die Mutter um Hilfe fragen soll, nicht den Vater?

2) Vertritt Maggi bewusst das Image der „guten Hausfrau“, die mit ihren Kindern zuhause sitzt und nichts lieber tut, als den haushaltlichen Pflichten nachzugehen?

3) Lebt Maggi mit diesen Vorstellungen von Frau und Weiblichkeit im 19. Jahrhundert?

4) Sind Väter des 21. Jahrhunderts nicht in der Lage dazu, ihren Kindern beim Kochen zu helfen? Oder gar an ihrer Erziehung beteiligt zu sein? Warum unterstützt Maggi diese Entwicklung?

5) Welchen Stellenwert haben Frauen, die nicht gerne „hinterm Herd“ stehen?

6) Welchen Stellenwert haben emanzipierte Männer, die sich um die Erziehung ihrer Kinder kümmern?

Meiner Meinung nach vermitteln Sie durch diesen kleinen Aufdruck auf einem ihrer Produkte ein vollkommen veraltetes, falsches und zudem peinliches Bild der Frau in Deutschland. Desweiteren symbolisieren sie die verstaubten Vorstellungen ihres Unternehmens, das anscheinend noch nicht im Zeitalter der modernen Familie, wo Mann und Frau für Kochen und Haushalt zuständig sind, angekommen ist.

Kinder, die sich durch ihr Produkt angesprochen fühlten und schließlich diesen Hinweis lesen mussten, tun mir leid. Unbewusst werden auch sie wieder in alte Rollenmuster verfallen, geleitet von großen, „familienfreundlichen“ Unternehmen wie Maggi.

An ein Großunternehmen wie Maggi stelle ich die Anforderung, nicht nur mit der Zeit zu gehen, sondern vor allem der Zeit um einiges voraus zu sein. Als Essensproduzent sind genau Sie an der Reihe, alte Klischees zu brechen und neue Muster vorzuleben. Sie haben einen einzigartigen Stand in Medien, Haushalt und Familie – und nutzen ihn schlecht.

Ich bin enttäuscht, wie sie mit Ihrer Verantwortung, millionen Menschen täglich zu erreichen, umgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Yate

p.s.: Sollten Sie Ihr Layout inzwischen (Mein Stand ist Juni 2010) verändert haben, freue ich mich über Ihre Einsicht.

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