Aus dem Briefwechsel zweier Freunde

Carlos: Es ist mir eine große Freude, zusmanne mit Dir, mein guter Gefährte, in Erinnerungen von paradisischen Wäldern und weiten Meeren zu schwelgen. Auch ich habe diese Zeit unserer Jugend, unserer Lebensblüte, unserer innigen Verbundeheit nicht vergessen. Umso mehr erquicke ich meine Seele an deinen kurzen Schriften. […] Traditionsgemäß bereite ich dafür ein kleines Dinér, Raclette, eine aus dem Frankenreich kommende Speise. Solltest du zu dieser Zeit, am Tage des heiligen Silvesters, in heimatlichen Gefilden anzutreffen sein, würde ich mich sehr über deinen Anblick in meinem Hause freuen. Es soll keine nächtliche Feier werden, viel mehr ein kurzes Mahl zu mittaglichen Zeiten. So kannst du getrost zu weiteren Festen weiterziehen.

Roderich: mein jugendlich Herz ward von deiner Worte Anmut und sanften Klanges gerührt und wie von Cupidos schnellen Pfeile getroffen! Ach, liebster Carlos, wie könnt ich den Tage deiner Geburt vergessen, seien auch noch so viele Jahre unserer Trennung in Land geflossen…
Auch ich, wie viele meiner treuen Weggefährten und Edelknaben, werde mich am Vortage der Geburt unsere heiligen Herrn Jesus Christ auf die beschwerliche Reise zu meines Elteren Heim begeben und mich durch Nacht und Nebel auf meinem Rosse samt Equipagen nach G durchschlagen.
Da ich nun bis in das neue Jahr hinein an diesem Orte verweilen werde, würde ich mit größter Freude an der Zelebration deines Geburtstages teilhaben! Oh, sag mir nur, wann und wo und ich werde den Knappen meinen feurigen Rappen satteln lassen und nach D sprengen! Auch gib mir Bescheid über Schmaus und Trank, die ich dir bringen und Präsente, die du dir wünschest.

Carlos: Gefährte Roderich!
Wie Balsam für meine Seele lesen sich deine Worte. Es quillt in meiner Brust ein jugendlicher Stolz, eine Freude aus vergangenen Zeiten belebt mein lastend Herz, sobald ich deine Worte lese. Immer und immer wieder, wie die Mutter die Worte ihres an der Front in Flandern kämpfenden, für König und Vaterland streitenden Sohnes vernimmt. So zücke auch ich bei Zeiten deine Worte hervor und trage sie in meinem Geiste. Jede Episode meines Lebens erfüllt sich mit deinen sanften Worten. So kannst du nur erahnen, welch froher Mut in meinem Körper sich erwecket, der Tatsache gewisst, dass Du, mein alter Roderich, den Tag meiner Geburt auf Schloss B mit mir teilen wirst.
Es ist mir ein unbändiges Seelenheil, mich deiner Anwesenheit gewiss sein zu dürfen. Allein das genüget, sodass ich Speßi und Trank und alle sonstigen zur Festivität benötigten Utensilien selbst herbeischaffen werde. Meine Mägde, die Zofen meiner geliebten Mutter und die ritterlichen Knappen des mächtigen Vaters werden zeitig geschickt, ein Mahl der größten Güte zu verrichten. Wie an keinem Fest zuvor wirst du an der Tafel sitzen und schmausen, als seiest du selbst der selbige, der wahre König von Oranien! Es ist mir wohl gewiss, dass du in Güte und Anmut, in Schönheit und Glanz den Regenten übertriffest!

Ist es noch normal, wenn man so mit einer Freundin über Facebook kommuniziert? Nein? Ja?

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