Dauerohrwurm

und es gibt ihn nicht auf Youtube!

Und ich kann ihn auch nicht hochladen… aber er geht ungefähr so:

Alle Zeit der Welt
Und sie sieht mich nicht wirklich allzu lang
Nie mehr zu früh gewartet
Hydranten können so … so sexy sein

Denkst du eigentlich immer noch nach
Glaubst du eigentlich immer noch
Wir wären vorbei gefahren
Denkst du eigentlich immer noch nach
Glaubst du eigentlich immer noch
Wir wären vorbei gefahren
Mit unseren Wünschen dran

Junger Hund
Nervöse Sonne
Und eine mondsüchtige Nacht
Zählt die Sommer,
die schon waren
Dann die, die er noch sehen kann

Denkst du eigentlich immer noch nach
Glaubst du eigentlich immer noch
Wir wären vorbei gefahren
Denkst du eigentlich immer noch nach
Glaubst du eigentlich immer noch
Wir wären vorbei gefahren
Mit unseren Wünschen dran

Traurig OK
es gibt langweiligeres
Und Hey

Traurig OK
es gibt langweiligeres
Und Hey

Advertisements

So, Kate.

Ich werde deine Hochzeit mit deinem Lieblingsspießer nicht sehen können. Ich werde weinen und um mich treten und aggressiv sein und jedem Kind, das an diesem Tag Spaß haben will, den größten Hohn entgegenbringen. Nur weil du in einem wunderschönen Brautkleid irgendeine bedeutungslose angelsächsische Kirche betreten wirst und ich dir dabei nicht zuschauen kann, werden alle, die mir am 29. April begegnen, kein schönes Leben haben. So, Kate. Ich hoffe, du weißt, was du zu verschulden hast. Ich hoffe du weißt, dass der 29. April 2011 ein sehr unpassender Tag für eine royale Hochzeit ist. Denn am 29. April habe ich bereits irgendeinen anderen Quatsch vor. Und Kate, wenn du auch nur einen klitzekleinen Gedanken daran verschwendest, diese Hochzeit zu der kitschigsten und schönsten und romantischsten Hochzeit des Jahrhunderts werden zu lassen: BITTE TU ES NICHT! Weil ich nicht dabei sein kann. Und weil außer mir keiner so neidisch auf den Braukleid sein wird.  So, Kate.

Hier spricht nur die Trauer, weil ich diese Hochzeit nicht verfolgen kann. Und nebenbei konnte ich weder die schwedische Hochzeit noch die dänische Zwillingtaufe verfolgen. Ihr seid doch alle doof, ihr Königshäuser!

Hydrantenquatsch

Letzte Woche haben irgendwelche Menschen irgendwas an irgendeinem Hydranten in meiner Straße der Stadt getan. Sie haben es aber so ungeschickt getan, das einer METERHOHE Fontäne aus dem Hydranten kam. Und ich Wurst wollte zur Uni und sehe diese riesengroße, atemberaubende Fontäne. Und nicht, dass ich auf die Idee komme, darüber nachzudenken, was die dort machen und was dort kaputt sein könnte. Neiiin. Ich male mir die kühnsten Phantasien aus.

Die kühnsten Phantasien über mich und einen Ritt auf der Fontäne. Wie ich mich auf diesen Wassersrahl lege und hoch in die Lüfte, über die Häuser der Stadt getragen werde.

Inspiriert wurde ich wahrscheinlich mal wieder in meiner Kindheit. Als einer der Gebrüder Tick, Trick und Track dasselbige tat.

Emotional ungebunden.

Letztens lief eine fantastischte Doku, also Dokus sind immer fantastisch, über Ereignisse, bei denen „Die Welt den Atem anhielt“. Ja Mensch, das ist doch was für mich. Allein im Namen steckt so viel Pathos und Emotion, dass ich weinen könnte. Als die Welt den Atem anhielt. Allein der Gedanke, dass etwas die ganze, komplette, große Welt so gleichermaßen berüht, dass sie gemeinsam den Atem anhält, ist viel zu groß für mich. Und vor allem viel zu unwirklich. Also war diese Sendung wie gemacht für mich: Augen auf, Ohren auf, Mund auf für die nächsten 4, ja, die Sendung lief 4 Stunden. Die Rede war von Umweltkatastrophen, Terror, Attenate und: Mauerfällen.

Nun gibt es in unserer Geschichte nicht allzu viele Mauerfälle. Einen aber gibt es, der, der damals die Ossis in den Westen holte. Oder die Wessis in den Osten. Man weiß es nicht.

Und immer, wenn ich Bilder von diesem Mauerfall sehen, wenn ich sehe, wie Menschen andere Menschen auf die Mauer ziehen. Wenn ich sehe, wie Teile der Mauer gefällt werden. Wenn ich sehe, wie geilgekleidete 80er Menschen in ihren Jeansjacken und Karottenhosen nach Westberlin spazieren. Wenn ich diese Helmut-Kohl-Brillen auf jedem zweiten Männergesicht sehe, worunter ein paar Tränchen vor Glück kullern. Immer dann. Immer dann bilde ich mir ein, auch dabei gewesen zu sein. In dieser Nacht am Brandenburger Tor stand ich auch auf der Mauer, zog andere hoch unt tanzte zu David Hasselhoffs Megaknallerlied. Ich trug eine weiße Karottenhose, ein buntgemustertes Schulterpolster-T-shirt und hatte ein Riesenhaarband im Haar. Ich war unendlich glücklich. Ich freute mich, dass der Osten nicht mehr eingesperrt war. Deswegen zog ich die ganzen Ostdeutschen hoch auf die Mauer, damit sie sich dort freuen und tanzen konnte.

Und wenn ich heute die Bilder von damals sehe, dann überkommt mich diese Gefühl wieder. Ach, wie schön es damals war! So schön, dass mich diese Bilder heute noch berühren und ich einen ganz dicken großen Kloß im Hals bekomme.

Ach, wie emotional ungebunden ich bin. Ich bilde mir so gerne eine, dabei gewesen zu sein. Auch mal ein bisschen wichtig zu sein. Auch mal was zu sagen zu haben. Denn eigentlich habe ich nichts zu sagen. Meine ganze Generation hat herzlich wenig zu sagen. Und das sagen wir auch.

Ein anderes Thema

Ich kam aus der schönsten aller Städte wieder und begann ein Praktikum in einem Marktforschungsinstitut. Eigentlich nur aus Langeweile und eigentlich hatte ich in genau dem Institut auch schon ein Praktikum gemacht. Und das wurde gut bezahlt, also hatte ich die Hoffnung, auch hier wieder etwas dazu zu verdienen. Also eigentlich war mir das Praktikum egal, ich wollte einfach nur Geld und der dörflichen Langeweile entfliehen. Während ich da war, lief eine Studie über Integration und wie integriert MIgranten sind und wie Deutsche das finden und was man dafür machen muss und wie man sich integriert und ob man überhaupt Migrantenfreunde haben darf. All das Zeug. Ja, dachte ich, interessant, mal zu Integration und MIgranten zu arbeiten.

An meinem ersten Tag stellte sich allerdings heraus, dass ich eine von ihnen bin.  Eine Person mit „Migrationshintergrund“. Und komischerweise war ich davon überrascht. Vorher hatte ich nicht wirklich darüber nachgedacht, dass auch ich zu der Personengruppe gehörte, über die so viel geschimpft und diskutiert wird. Und dass ich nicht einfach nur deutsch bin. Aber ich bin ziemlich deutsch. Ich habe den deutschesten aller deutschen Namen. Ich rege mich über verspätete Züge auf. Ich runzel viel zu häufig die Stirn. Ich würde meine Liege im Urlaub morgens auch reservieren (wenn ich denn jemals Bock auf Strandurlaub hätte…). Ich kann über die Qualität von Brot in einer allzu deutschen Hochnäsigkeit reden. Und ich bin der Meinung, dass Ordnung das halbe Leben ist. Oder nicht.

Ich bin kein Migrant. Ich kann nicht mal die Sprache des Landes, dem ich meinen Migrationshintergrund zu verdanken habe. Ich finde russische Fernsehshows kitschig. Ich verstehe diese ganzen Konzertshows nicht. Für jeden russischen Witz brauche ich einen erklärenden Prolog. Und selsbt dann habe ich ihn nicht richtig verstanden. Hinterher muss mir immer noch der kulturelle Zusammenhang erklärt werden. Ich verstehe nicht, was an Heringschichtsalat so lecker ist. Noch nie habe ich das verstanden. Ich weiß immer noch nicht, warum man sich Teppiche an die Wände hängt. Russenpartys kenne ich nur aus Erzählungen. Denn ich kenne nicht mal Russlanddeutsche, die mich dazu einladen könnten.Und russische Süßigkeiten sind mir viel zu „grob“. Also nein, ich bin kein Migrant.

Und dann merkte ich, wie ich Vorurteile selbst gegen mich verwendete. Ein Migrant hat gebrochen deutsch zu sprechen. Russlanddeutsche leben nur unter sich. Und eigentlich sind das ja auch Russen. Ist doch kein Unterschied. Sie feiern eigene Russenpartys und hören Russenmusik. Sie heißen Olga, Eduard und Eugen. Und alle stehen sie auf Kitsch. Kitsch in allen Farben und Formen. Bei der WM jubeln sie für Russland. Und notfalls auch für Deutschland, um ihren Integrationsstand zu demonstrieren. Ja, Migranten haben nur im Notfall Bock auf Deutschland.

Und ich, ich gehöre nicht dazu. Ich male mir schwarz-rot-goldene Herzchen auf die Wange. Auch bei der EM. Und auch für die Handballer. Es zerreißt mir nicht das Herz, wenn Russland gegen Deutschland spielt. Wenn Deutschland veliert bin ich sauer und ziehe nicht den Russland-Trumpf aus dem Ärmel.

Selbst wenn ich irgendwann irgendwo und irgendwie zufälligerweise erwähne, dass ich Russlanddeutsche bin, glauben viele an einen Scherz. Auch langjährigen Freunden muss ich immer wieder aufs Neue erklären, wie es um meine Migration steht. Meine Eltern sind in Russland aufgewachsen. Ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern waren die Ausländer in Russland. Und jetzt sind sie hier, in dem Land, aus dem unsere Vorfahren kommen. Und jetzt bin ich eine ganz normale Deutsche.

Aber nein. Ganz normal dann doch nicht. Ich liebe russische Pilmeni. Borschtsch ist für mich Heimat. Wenn meine Mutter Borschtsch macht, denke ich an „nach der Schule völlig durchfroren nach Hause kommen und erstmal ein warmes Süppchen essen“. Wenn meine Eltern miteinander deutsch sprechen, empfinde ich das als künstlich. Nicht, weil es künstlich klingt. Sondern, weil meine Eltern verdammt nochmal russisch zu sprechen haben. Damit ich ihnen das abkaufe. Nichts geht über russische Gastfreundschaft. Deutsche machen genau so viel essen, dass man gerade so satt wird. Bei uns wird immer für eine demnächst möglicherweise anstehende Dürre gekocht. Und vielleicht kommt noch spontan Besuch, der seit vier Tagen nichts mehr gegessen hat. Alle müssen satt werden. Ich liebe es, wenn bei Familienessen ein buntes Wirr-Warr aus russisch und deutsch gesprochen wird. Ich liebe es, wenn jemand einen Satz auf russisch anfängt und auf deutsch beendet. Und keiner hats gemerkt. Und auf Hochzeiten schäme ich mich manchmal für all den Kitsch. Aber ohne Kitsch fänd ich eine Hochzeit irgendwie traurig.

Und dann vielleicht doch. Vielleicht habe ich doch etwas mit dem Geburtsland meiner Eltern zu tun. Es ist nicht so offensichtlich wie bei anderen, aber so ein ganz normaler Deutscher will ich auch nicht sein. Naja, was ist denn schon normal. Aber auf eine Familie, die seit Generationen im gleichen Dorf lebt, hätte ich nun wirklich keine Lust. Ich freue mich immer über Geschichten und Anekdoten aus Russland. Ich finde es schade, dass ich dort nie war. Und ich müsste jetzt endlich mal richtig russisch lernen. Traurig genug, dass meine Integration so weit fortgeschritten ist, dass ich nächstes Semester einen Russisch-Anfänger-Kurs an der Uni blegen werde. Traurig genug, dass ich nichtmal Borschtsch kochen kann. Und dass ich nie den Sinn von an Wänden hängenden Teppichen verstanden habe.

Und was ist jetzt mit mir? Zähle ich als „richtige Migrantin“?

Ja. Aber als eine, die sich nie um ihre Integration Gedanken machen musste. Und eine, die eben einfach einen etwas weiteren Horizont durch ihren „Hintergrund“ bekommen hat. Und das ist gut so. Ich bin froh, dass ich nicht als allererstes „die Ausländerin“ bin. Und so sollte sich keiner fühlen. Jeder ist irgendwo Ausländer. Und was macht das dann? Ungefähr genau gar nichts. Doch, es macht das Leben einfach bunter. Ich liebe Pizza, so mancher Döner hat mir nachts schon das Leben gerettet und ohne all die lebensfrohen Südländer wäre Deutschland ein ziemlich trauriges Land.

Augen zu!

Ich möchte gar nicht erst gucken, wann hier der letzte Eintrag kam. Und ich möchte auch gar nicht erst in meinen Kalender schauen und gucken, wann Ostern ist. Und sagt jetzt nicht, nächste Woche. Da kriege ich Bauchschmerzen.

Ich möchte auch gar nicht erst wissen, dass jetzt schon April ist, denn ich schreibe immernoch manchmal 2010 statt 2011. Und ich möchte uch nicht wissen, dass ich schon im 4. Semester bin und mein Grundstudium nun endgütlig ABGESCHLOSSEN ist. Freunde, das geht zu schnell. Das geht alles viel zu schnell. Ich komme ja gar nicht dazu, zu leben. Wie jetzt. Da müsste ich eigentlich Karteikarten für mein Referat schreiben und mache es nicht. Und eigentlich muss ich auch einem Volldepp eine Email schreiben, dessen Emailpostfach VOLL ist und ich nicht weiß, wie ich ihn sonst erreichen kann. Und eigentlich müsste ich auch aufräumen und Wäsche waschen. Und eine Mega-Einheit für ein Veranstaltung nach Ostern planen. Und eigentlich auch noch alle Uni-Texte lesen.

Aber wie das dann immer so ist: Man ist in einer Schockstarre. Die Schockstarre, die immer eintritt, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll. Und dann macht man einfach gar nichts. Niente. Man sitzt am PC, könnte einige erledigen, aber schreibt sinnlose Bloggeinträge. Wobei das ja auch ein Teil der To-Do-Liste ist, also eigentlich gar nciht mal so schlecht.

Das Leben ist so eigentlich.