Emotional ungebunden.

Letztens lief eine fantastischte Doku, also Dokus sind immer fantastisch, über Ereignisse, bei denen „Die Welt den Atem anhielt“. Ja Mensch, das ist doch was für mich. Allein im Namen steckt so viel Pathos und Emotion, dass ich weinen könnte. Als die Welt den Atem anhielt. Allein der Gedanke, dass etwas die ganze, komplette, große Welt so gleichermaßen berüht, dass sie gemeinsam den Atem anhält, ist viel zu groß für mich. Und vor allem viel zu unwirklich. Also war diese Sendung wie gemacht für mich: Augen auf, Ohren auf, Mund auf für die nächsten 4, ja, die Sendung lief 4 Stunden. Die Rede war von Umweltkatastrophen, Terror, Attenate und: Mauerfällen.

Nun gibt es in unserer Geschichte nicht allzu viele Mauerfälle. Einen aber gibt es, der, der damals die Ossis in den Westen holte. Oder die Wessis in den Osten. Man weiß es nicht.

Und immer, wenn ich Bilder von diesem Mauerfall sehen, wenn ich sehe, wie Menschen andere Menschen auf die Mauer ziehen. Wenn ich sehe, wie Teile der Mauer gefällt werden. Wenn ich sehe, wie geilgekleidete 80er Menschen in ihren Jeansjacken und Karottenhosen nach Westberlin spazieren. Wenn ich diese Helmut-Kohl-Brillen auf jedem zweiten Männergesicht sehe, worunter ein paar Tränchen vor Glück kullern. Immer dann. Immer dann bilde ich mir ein, auch dabei gewesen zu sein. In dieser Nacht am Brandenburger Tor stand ich auch auf der Mauer, zog andere hoch unt tanzte zu David Hasselhoffs Megaknallerlied. Ich trug eine weiße Karottenhose, ein buntgemustertes Schulterpolster-T-shirt und hatte ein Riesenhaarband im Haar. Ich war unendlich glücklich. Ich freute mich, dass der Osten nicht mehr eingesperrt war. Deswegen zog ich die ganzen Ostdeutschen hoch auf die Mauer, damit sie sich dort freuen und tanzen konnte.

Und wenn ich heute die Bilder von damals sehe, dann überkommt mich diese Gefühl wieder. Ach, wie schön es damals war! So schön, dass mich diese Bilder heute noch berühren und ich einen ganz dicken großen Kloß im Hals bekomme.

Ach, wie emotional ungebunden ich bin. Ich bilde mir so gerne eine, dabei gewesen zu sein. Auch mal ein bisschen wichtig zu sein. Auch mal was zu sagen zu haben. Denn eigentlich habe ich nichts zu sagen. Meine ganze Generation hat herzlich wenig zu sagen. Und das sagen wir auch.

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Eine Antwort

  1. Das konnte ich in der Wiederholung auch nur kurz ansehen, aber ich liebe solche Dokus. Gerade der Mauerfall und die Demos „Wir sind ein Volk!“ lassen mich erstarren und Stolz auf diese Generation sein.

    Du weißt ja, nächste Woche läuft „100 Jahre“ auf Phoenix, Emotionen pur!

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