Oh, glory days!

In zehn Jahren werde ich an den Uniwiesen vorbeilaufen und weinen. Schluchzen, weinen, heulen. Auf den Boden stampfen, um mich treten, boxen. Alles nur, weil auf diesen Uniwiesen das Studentpack sitzt und grillt. In Gruppen von 2 bis 20 versüßen sie sich ihr Leben. Sie grillen Gemüse, Billigfleisch, essen fertigen Kartoffelsalat. Wenn sie Glück haben, haben ein paar schlaue ihrrer Gattung einen eigenen Salat gemacht. Nudelsalat vielleicht. Und all ihr Gut teilen sie, der gelebte KOmmunismus exisitiert faktisch nur beim Grillen. Alles wird geteilt. Der Wein, das Brot. Und keiner redet drüber, viel mehr möchten alle ihr Mitgebrachtes loswerden. Es muss ja weg.

Und dann schlagen sie sich ihre Bäucher voll und hüofen barfuß über die Wiese. Manchmal spielen sie VBolleyball, dann Fußball, Frisbee, Schwedenschach. Alles in einer solchen Leichtigkeit. 2 Wochen bis zu den Klausuren, zwei Wochen sind eine lange Zeit. Zeit haben sie, das muss man ihnen lassen. Sie denken von Winter zu Sommer, von Klausur zu Abgabetermin. Und dazwischen liegt so viel Zeit. Manchmal. Und plötzlich bleibt keine eit für Grillen, dann ruft das Wissen und es hat sich ausgetanzt. Aber vorher war alles irgendwie so sommerhaft. So warm und luftig.

Genau. Und in zehn Jahren werde ich an diesem Pack vorbeilaufen. Schluchzen, wie gesagt. Schluchzen und mich mal wieder selbst bemitleiden, weil das mal war und ich mit Anfang 30 zu alt bin für Barfuß, Kommunismus und Frisbee. In 10 Jahren. Hilfe. Im besten Falle habe ich es abschlussmäßig irgendwie geschafft, bin im Beruf und kann davon leben. Habe noch keine Sehnsucht nach Dorf bekommen und lebe in einer Altbauwohnung. In gewohntem Chaos. Aber in altergemäßer Routine, mit allem, was zum Spießertum gehört.

Aber im allerbesten Fall ist mir das Spießertum egal. Im allerbesten Fall tanze ich trotzdem barfuß über Wiesen, eröffne den kommunistischen Grill und spiele Frisbee. Aber nicht auf den Uniwiesen. Das tue ich dem Pack nicht an. Aber nebendran, 100 Meter von ihnen. Da werde ich grillen und Studentin spielen.

Wünsche

„Ja, so ein Mensch möchte ich sein, eine nette Sprechstundenhilfe. Das ist fast so gut wie Obstverkäuferin.“

Sagte die Lehramtsstudentin und ging weiter ihrem Uni-Alltag nach. Warum wird man nicht einfach der Mensch, der man sein will?

Eine Erklärung.

„Dieser Büchner war ein toller Hund. Nach 23 oder 24 Jahren verzichtete er auf weitere Existenz und starb. Es scheint, die Sache war ihm zu dumm.“

Alfred Döblin sagt also, dass ihm das Ganze einfach zu dumm war. Alfred Döblin, das hast du wunderbar treffend formuliert. Aber Alfred Döblin, das ist noch lange keine Entschuldigung dafür, dass ich nie wieder etwas Neues von ihm lesen werde. NIE. WIEDER.

p.s.: Außer die Briefe, die habe ich noch vor mir. Aber die zählen nicht.