Lächerliche Überschrift

Krawehl, krawehl. Taubtrüber Ginst am Musenheim. Trübtauber Hain am Musenginst. Krawehl, krawehl!

Ich habe eben viele Versuche gestartet, etwas über Loriot zu schreiben. Aber alles ist lächerlich und armselig formuliert, wenn im gleichen Satz der Name Loriot steht. Da schämt man sich über seine Sätze. Und man weiß ja ganz genau, dass er da oben sitzt und alles sieht und sich schon wieder einen Sketch ausdenkt. Über mich und meine Art und sowieso über alle Menschen, mit ihren Marotten. Alles fühlt sich so furchtbar lächerlich an.

Ich will so sehr, dass irgendwann ein Mensch geboren wird, der ungefähr genauso intelligent lustig sein kann. Also nur ungefähr. So ganz klappt das ja nicht, denke ich. Aber ungefähr. Wenigstens ein bisschen Menschenkenntnis, aus der man Sketche machen kann. Das wäre schön.

Und weil man mir beigebracht hat, dass man immer höflich Danke sagen soll, mache ich das. Danke für so viel mehr als Kosakenzipfel, Bundestagsrede und Papa ante Portas.

Nicht mein Lebensentwurf

Wie vielleicht bekannt ist, bin ich ein Exil-Dorfkind, das es schon während der Schulzeit kaum zwischen grünen Landschaften und Tante-Emma-Läden ausgehalten hat und dem ersten Ruf der Freiheit Richtung Großstadt  folgte. Da wusste ich noch nicht, wie sehr ich die Stadt lieben würde und wie zunehmend mehr ich dieses Dorfleben „nicht mein Lebensentwurf“ nennen würde.

Es kommt in den Semesterferien öfter vor, dass ich dennoch in das Dorf der Dörfer zurückkehre und dort ein paar Wochen verweile. Meistens aus praktischen Gründen, oft habe ich auch etwas in einer benachbarten Stadt zu tun und ganz, ganz selten, eigentlich fast nie lockt mich mal wieder die Idylle der Stille. Aber wie gesagt: fast nie. Und wenn, dann habe ich meine Ration Ruhe auch innerhalb zweier Tage aufgefüllt. Und dann, wenn ich dann noch ein paar Wochen vor mir habe, in diesem Fleckchen Erde, das von Spargel, Gurken und Zuckerrüben lebt, dann bekomme ich Platzangst. Hier ist alles so eng.

Nicht nur, dass die meisten Straßen hier keine Ampeln besitzen und der Tante-Emma-Laden so groß ist wie die gesamte Gemüse-Abteilung eines durchschnittlichen Supermarktes in der Stadt. Nein. Am engsten hier sind die Menschen, die hier freiwillig leben. Und da meine ich nicht die Omas, die Tag ein, Tag aus an ihren Fenstern sitzen und das „wilde“ Treiben davor beobachten. Auch nicht jene, die ihren Kindern, berechtigterweise, ein behütetes Leben bieten wollen. Nein. Ich meine jene Personen, die etwa in meinem Alter sind und sich hier ein solides Netzwerk Dorftratsch geschaffen haben. Im Laufe der Jahre, in denen sie in sämtlichen Vereien aktiv waren, bei sämtlichen Frisören behandelt und mit sämtlichen Dorftanten angebandelt haben. Und gleichzeitig jene, die noch nie etwas anderes gesehen haben als Dorf, Dorf und Dorf und auf dieser Basis (und auf Basis der Bild-Zeitung) zu sehr gefestigten Meinungen gekommen sind. Und nich davon ablassen.

Solche Menschen sind eigentlich meine Dorffreunde, weil sie eigentlich vollkommen in Ordnung sind und eigentlich früher, als man selbst noch dachte, es sei normal, wenn Busse nur einmal stündlich fahren, noch alles halb so wild war, was Ansichten und Meinungen angeht. Aber man wird älter und manche werden gleichzeitig klüger. Andere versteifen sich auf ihrem konservatiten Müll. Für andere reicht der Horizont bis zur Dorfkirche des nächsten Dorfes. Um das Geschwafel abzukürzen, folgen hier ein paar Thesen, die ich während meiner Zeit im Dorf über mich ergehen lassen musste. Widerstand führte stets zu Streitereien und beleidigtem Themenwechsel.

1. Eine gute Mutter bleibt 3 Jahre mit dem Kind zuhause. Der Vater kann doch arbeiten gehen.

2. Eine gute Mutter schafft es, alle ihre 35 Kinder während der Pubertät in die richtigen Bahnen zu lenken. Immer. Ansonsten ist es eine schlechte Mutter.

3. Wie kann man nur als Student in einer großen Stadt leben wollen?

4. Urlaub ist nur gut, wenn man ihn in einem Club-Hotel verbringt.

5. Nachbarn sind was tolles. Man feiert mit ihnen Geburtstag und lästert hinter ihrem Rücken über sie. Flexible Freundschaften.

Bittesehr!

Weil ich heute noch nicht bloggte, hier ein wahlloses Bild aus meinem Bajs-Ordner. (Ja, was hat Bajs zu bedeuten, fragen sich nun die Unkundigen. Tjaja.)

Irgendwann im März 2010 war das. In irgendeiner schönen Stadt. Irgendwo im Norden. Bei irgendwem zu Besuch. Hos någon fin tjej.

Dankbarkeit

Liebe Leserschaft,

ich weiß, dass ihr mir eigentlich zuhauf zu meinem heutigen Jubiläum gratulieren wolltet. Ihr habt nach einer Möglichkeit gesucht, mich auf direktem Wege zu erreichen, wolltet eure Grußkarten, Geschenke und Blumensträuße direkt an an mich senden und mir für meinen humanitären Einsatz in der Blogwelt danken. Ich bin mir dessen sehr bewusst und auch wenn ihr eure Pläne dank meiner großen Anonymität nicht in die Tat umsetzen konntet, weiß ich doch, wie sehr ihr mein literarisches Schaffen schätzt.

Seit einem Jahr stelle ich mich nun in den Dienst der Gesellschaft und schreibe über alles, was die Welt bewegt. Viel Aufmerksamkeit habe ich damit in der Medienwelt erlangt. Eine Gala folgte der nächste, Auszeichnungen gaben sich die Klinke in die Hand und das Bundesverdienstkreuz liegt momentan zur Prüfung bei Herrn Wulff.

Trotzdem bin ich bescheiden. Ich nehme kein Geld für diese Art von Arbeit, biete meine Gedanken ehrenamtlich, fast schon zu humanitären Zwecken an. Und ihr, liebe Leser, habt jeden Tag das Glück, Zeuge meiner großen geistigen Ergüsse zu werden! 127 mal habe ich im letzten Jahr euren Geist beglückt! Und das neben Studium, Privatleben und meinem anderen Ehrenamt! 127 Zeugnisse großer Dichtkunst!

Freunde, seid mir dankbar!

Manchmal ist ein neuer Plan das, was wir brauchen.

Als ich in das Land der Länder gefahren bin, war das nicht von langer Hand geplant. Noch weniger hatte es irgendeinen Grund, warum mir plötzlich in der Straßenbahn einfiel, dass ich nach Schweden musste. Und Schwedischen lernen will. Ich wollt es einfach, von einer Sekunde auf die andere. Nachdem S mich auf dem Heinweg von einer Berufsinformationsmesse fragte, was ich denn nun mit meinem Leben anfangen will. So nach dem Abi und sowieso, so nach allem, was irgendwie bis zu meiner letzten Abiturprüfung geplant wurde. Von langer Hand. Da antwortete ich jedenfalls einfach: Ach, dann geh ich halt nach Schweden. Ein bisschen Verzweiflung klang vielleicht schon mit. Ein bisschen Frust darüber, dass mich nur Brotlosigkeit interessiert auch. Und dass man davon auf Berufsmessen nichts zu beiten hat, nervte sicherlich auch. Dann ging ich halt nach Schweden. Was soll’s.

Da, in dem Land der guten Musik und geschmackvollen Menschen, da hat sich so viel verändert. Da hab ich die schönste aller Sprachen gelernt. Da habe ich ein Jahr lang keine Ahnung gehabt von allem, was in der Heimat passiert. Keinen Gedanken habe ich daran verschwendet, was ich in diesem Jahr alles Sinnvolle hätte treiben können. Stattdessen lebte ich Tag ein, tag aus. Ein Jahr. Manchmal konnte auch das sehr anstrengend sein. Und ich hätte gewiss genug Zeit gehabt, einen neuen Plan für mein Leben zu erstellen.

Keine Chance. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, in diesem Jahr über mein Leben nachzudenken, einen Plan zu schmieden. Einen neuen, ausgetüffelten Plan. Was soll ich studieren? Wo? Wann und wo Erasmus? Erasmus überhaupt? Ja, ich wollte mir ernsthafte Gedanken machen. Einmal im Leben seriös sein, vernünftig über die Zukunft nachdenken. Stattdessen trank ich Kaffee, jeden Tag und immer wieder gerne mit der besten Exil-Familie. Ein Jahr lang P und P und Yate. Nichts besseres hätte auf die spontane Entscheidung in der Bahn folgen können.

Die Entscheidung, in diese schöne Studentenstadt zu ziehen, fiel auch vom Himmel herab. Da lagen Zusagen von den Unis im Briefkasten und kurzerhand dachte ich: Dann eben dahin. So. Fertig.

Manchmal ist ein neuer Plan das, was wir brauchen. Aber nicht immer. Nur manchmal. Und oft genug kann der Plan auch so furchtbar neu und undurchdacht sein, wie er will. Die Möglichkeit auf Plan B besteht doch trotzdem.

Fernbeziehung

Liebe Eltern, liebe Freunde, liebe Unbekannte, liebe Alle!

Es ist nun offiziell. Ich führe eine Beziehung. Mein Neuer heißt Joey. Unter der Woche ist er sehr beschäftigt. Ich auch. Deswegen sehen wir uns meistens nur sonntags. Immer pünktlich um 19.10. Da gucken wir zusammen Schwiegertochter gesucht. Die begabte Beate, Handelsfachverpacker Marco und seine missmutige Angebete. Da sitzen dann Joey und ich und beobachten das romantische Treiben. Joey redet nicht viel, ist aber sehr kreativ. Vorletzte Woche kam er mit Pfifferlingen, gestern hatte er Spargel und Sacue Hollandaise dabei. Oh! Sauce Hollandaise, die kann Joey gut. Das ist dann immer wunderbar, wenn Joey kommt und wir gemeinsam Schwiegertochter gesucht gucken und ich Sacue Hollandaise essen darf. Auf der Pizza. Joey meckert nicht an meiner Figur herum.

Denn Joey redet generell nicht sehr viel. Er ist schüchtern, aber höflich. Klingelt nicht zu aufdringlich, sagt höflich seinen Namen, wenn er vor der Tür steht. Sonntags um 19.10 Uhr. Ich lasse ihn dann rein, bezahle ihn. Ja. Ich bezahle ihn. Ja. Ja. Ja. Soweit ist es schon. Aber er gibt mir ja auch so viel zurück. So viel. Meistens Pizza. Mit Sauce Hollandaise. Mehr verlange ich nicht. Ich bin eine genügsame Wochenendbeziehung. Und ich führe eine Beziehung mit einem Pizzalieferaten. Mit Joey’s Pizza.

Ich bin das Klischee.

Manchmal habe ich das Gefühl, ein schlechter Serienschreiber würde das Drehbuch für mein Leben schreiben. So einer, der alle Klischees auspackt. So einer, der nicht mehr kreativität hat, als die Bonzenserie in Düsseldorf drehen zu lassen oder eine amerikanische Pastorenfamilie in der schönsten Idylle mit 7 Kindern und einem weißen Hund wohnen zu lassen.

Dann ist man auf einer WG-Party und redet mit einem Castro-Gegner in gelber Ballonhose, Leinenhemd und grünem Halstuch. Man diskutiert über die Vor- und Nachteile von Gleisbelagerungen. Er erklärt mir, warum er sich diesmal nicht auf die Gleisen gelegt hat. Weil er am nächsten Tag pünktlich zur Arbeit musste.

Dann sitzt man in der Mensa und freut sich über eine warme Mahlzeit, die nicht aus Nudeln und Tomatensauce besteht. Fisch zum Beispiel. Als ob ich mir selbst Fisch kaufen und machen würden, so als Student.

Dann trifft man ein Mädchen, das für Essen arbeitet. Nicht für Geld, sondern für Bio-Ernteerträge. Und im Winter gibts kein Käse, weil da die Ziegen schwanger sind. Und mit ihrem Biobauernfreund wohnt sie in einem Haus am See, ohne Strom und fließend Wasser.

Und dann stellt man sich den Wecker auf 13.00 Uhr. Damit man seinen Zug nicht verpasst. Irgendwann werden wir doch alle das Klischee, das wir nie sein wollten.