Manchmal ist ein neuer Plan das, was wir brauchen.

Als ich in das Land der Länder gefahren bin, war das nicht von langer Hand geplant. Noch weniger hatte es irgendeinen Grund, warum mir plötzlich in der Straßenbahn einfiel, dass ich nach Schweden musste. Und Schwedischen lernen will. Ich wollt es einfach, von einer Sekunde auf die andere. Nachdem S mich auf dem Heinweg von einer Berufsinformationsmesse fragte, was ich denn nun mit meinem Leben anfangen will. So nach dem Abi und sowieso, so nach allem, was irgendwie bis zu meiner letzten Abiturprüfung geplant wurde. Von langer Hand. Da antwortete ich jedenfalls einfach: Ach, dann geh ich halt nach Schweden. Ein bisschen Verzweiflung klang vielleicht schon mit. Ein bisschen Frust darüber, dass mich nur Brotlosigkeit interessiert auch. Und dass man davon auf Berufsmessen nichts zu beiten hat, nervte sicherlich auch. Dann ging ich halt nach Schweden. Was soll’s.

Da, in dem Land der guten Musik und geschmackvollen Menschen, da hat sich so viel verändert. Da hab ich die schönste aller Sprachen gelernt. Da habe ich ein Jahr lang keine Ahnung gehabt von allem, was in der Heimat passiert. Keinen Gedanken habe ich daran verschwendet, was ich in diesem Jahr alles Sinnvolle hätte treiben können. Stattdessen lebte ich Tag ein, tag aus. Ein Jahr. Manchmal konnte auch das sehr anstrengend sein. Und ich hätte gewiss genug Zeit gehabt, einen neuen Plan für mein Leben zu erstellen.

Keine Chance. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, in diesem Jahr über mein Leben nachzudenken, einen Plan zu schmieden. Einen neuen, ausgetüffelten Plan. Was soll ich studieren? Wo? Wann und wo Erasmus? Erasmus überhaupt? Ja, ich wollte mir ernsthafte Gedanken machen. Einmal im Leben seriös sein, vernünftig über die Zukunft nachdenken. Stattdessen trank ich Kaffee, jeden Tag und immer wieder gerne mit der besten Exil-Familie. Ein Jahr lang P und P und Yate. Nichts besseres hätte auf die spontane Entscheidung in der Bahn folgen können.

Die Entscheidung, in diese schöne Studentenstadt zu ziehen, fiel auch vom Himmel herab. Da lagen Zusagen von den Unis im Briefkasten und kurzerhand dachte ich: Dann eben dahin. So. Fertig.

Manchmal ist ein neuer Plan das, was wir brauchen. Aber nicht immer. Nur manchmal. Und oft genug kann der Plan auch so furchtbar neu und undurchdacht sein, wie er will. Die Möglichkeit auf Plan B besteht doch trotzdem.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s