Wer half mir wider der Titanen Übermut?

Es gibt eine Maschine im Internet, die sagt, welchen Schreibstil man besitzt. Auf der Seite einer seriösen Tageszeitung. Als einführender Text steht etwas wie: „Testen Sie ihren Schreibstil! Franz Kafka? Oder eher wie Ingeborg Bachmann, Maxim Biller, Ildiko von Kürthy?“

Letztgenannter Name hat mich fast dazu gebracht, an diesem Test nicht teilzunehmen. Man stelle sich vor, die Maschine würde sagen, ich schreibe wie Ildikó von Kürthy. Ein schrecklicher Gedanke. Die Todesstrafe. Ich würde meinen Blog schließen. Wirklich. Ich würde mich schämen und hätte Angst, von schlecht sitzenden Metaphern in mein Verderben gezogen zu werden.

Aber es kam alles anders. Es kam alles anders, anders, anders. Nachdem sich die Maschine einen normalen Text von mir anschaute, sagte sie, ich sei Max Frisch. Damit kann man gut leben. Aber dann. Dann gab ich ihr ein Gedicht, ein sehr spontan entstandenes solches. Und ja. Seht selbst. Ich kann es kaum aussprechen, so gerührt bin ich. So. Gerührt.

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Weg mit dem guten Rutsch

Vorletzte Woche, also als der November noch jung war, habe ich endlich, und da war ich schon spät dran, festgelegt, wo und mit wem ich Silvester feiern werde. Silvester ist in meinem Leben kein einfaches Thema. Es ist eher ein schwieriges und sehr emotionales Thema, das war es schon immer. Denn ich habe mir im Jahre 1988 dummerweise gedacht, an diesem Tag geboren werden zu wollen. Von da an war der letzte Tag des Jahres eine Mischung aus „Juhu, ich habe Geburtstag“ und „Scheiße, alle anderen haben auch Grund zu feiern“. Und deswegen hege ich seit meiner Geburt eine Hassliebe zu Silvester.

Und je älter man wird, umso wichtiger scheint dieser Tag zu werden. Man muss am besten im Juli schon wissen, ob man in der Stadt, zuhause, in einem Club, bei Freunden oder im Urlaub feiert. Man muss notfalls schon einen Urlaub gebucht haben und wenn nicht, dann muss man wenigstens wissen, mit wem man feiert. Ich wusste es bis Anfang November nicht. Und auf Nachfragen habe ich allergisch reagiert. Denn am liebsten wäre mir Silvester folgendermaßen:

  1. Ich habe Geburtstag. Die Menschen denken: „Oh, es ist der 31. Dezember. Das Kind hat Geburtstag.“
  2. Ich wache ganz normal auf, es ist ein ganz normaler Tag. Keiner denkt daran, noch Silvesterböller kaufen zu müssen. Keinem fällt noch ein, dass er zu wenig Reclette-Käse zuhause hat. Keiner ist noch voll vom Weihnachtsbraten. Für jeden ist es ein ganz normaler Tag. Vielleicht müssen auch manche zur Arbeit. Alles ganz normal eben.
  3. Ich kriege Kuchen und Kerzen und alles sonst und es ist einfach nur der 31. Dezember.
  4. Ich habe Geburtstagskaffee mit Oma und Opa und Tag der offenen Geburtstagstür für Freunde.
  5. Ich verdaue den Kuchen. Und den Kaffee und packe ein paar Geschenke aus. „Oh, ein Kalender.“, denke ich und bin tatsächlich überrascht von dieser kreativen Idee. Und es ist nicht so, dass ich einen Teil meiner Geschenke schon eine Wocher zuvor bekommen habe, da Geburtstag und Weihnachten so praktisch nah aneinander liegen.
  6. Abends kommen meine Freunde und wir gehen weg. Und feiern meinen Geburtstag. Gegen 24.00 Uhr beginnt keine sinnlose und viel zu laute Umweltverschmutzung. Und der nächste Tag ist ganz normal. Die ganze Welt dreht sich ganz normal weiter, mit dem Unterschied, dass ich ein Jahr älter bin.

So. Ich will einfach nur Geburtstag haben. Nicht. Silvester. Und wehe, man wünscht mir auf meiner Facebook-Pinnwand „Alles Gute und nen guten Rutsch.“ Mit solchen Wünschen kann ich gar nicht umgehen.