Weil die Zeit sich so beeilt*

Weil die Zeit sich so beeilt, bin ich ab heute im 6. Semester. 6. Semester Bachelor, Germanistik und Ethnologie. Was heißt das für mich und meine Umwelt?
Für mich heißt das kurzfristig Prüfungs- und Bachelorarbeitsstress. Seminarfreie Semesterwochen und lerngefüllte Bibliothekstage. Aber das ist nicht das Problem, das ist eigentlich nur der letzte Schutz vor dem neuen Leben. Welches nicht in meiner kleinen Studentbude in der Stadt, die ich mit alle ihren merkwürdigen Marotten und den vielen hässlichen Nachkriegsbauten so liebengelernt habe, stattfinden wird. Der letzte Schutz davor, dass es im Oktober woanders hingeht – unklar wohin, unklar warum. Unklar, warum man mich nach 3 Jahren wieder lossschickt, Neues zu suchen und Altes zu vermissen. Viel unklarer, warum sich diese 3 Jahre angefühlt haben wie 3 Monate. Kaum war ich angekommen und hatte die erste lange Reise im Norden verdaut, drängten sich Gedanken an das Ende des Studium auf. Das Ende des Studiums. Wie kann das sein, dass ich im September „fertig studiert“ habe. Wie kann das sein, wer hat sich das ausgedacht und vor allem: warum wurde ich da mit reingezoen?
Ich möchte und kann nicht fertig sein. Auch wenn sich das Mensa-Essen inzwischen mehrmals wiederholt hat, bin ich noch mit ganzem Herz und Hirn Studentin. Ich möchte nicht ernsthaft werden. Ich möchte nicht langsam entscheiden müssen, wo ich denn jetzt lebe und was ich denn jetzt dort mache. Ich fühle mich nicht wohl dabei, wenn ich Menschen keine Antwort auf ihre „Und was machst du dann?“-Fragen geben kann. Aber ich fühle mich auch nicht schuldig deswegen. Denn mein Herz tanzt nach Magistermusik, nicht nach Bachelor-und-Master-Beat. Glücklich würde es, wenn es nun im 6.Semester so langsam die Zwischenprüfung angehen dürfte. Langsam, gemächlich und sachte. Zwischenprüfung und weiter studieren in dieser Stadt. Hier heimisch werden und richtig, nicht nur vorsätzlich warm werden mit der Mentalität in dieser Stadt. Sagen können, dass man hier lebt, nicht nur wohnt. Das wäre was. Stattdessen muss man offiziell über Aufbewahrungsmöglichkeit für die eigenen Möbel nachdenken. Redet über Mietwagen und Umzugspläne, surreal. Abstrakt. Der Oktober 2012 ist ein abstrakter Monat. Er wird bald existieren und das Fatale ist, dass ich nicht weiß, welche Rolle ich darin spielen werde. Im Oktober 2012.

To whom i may concern: Bitte gib mir eine Ahnung, nur eine klitzekleine Ahnung von meinem zukünftigen Leben.
*Und liebe Zeit: Mach langsam, ich möchte nicht mehr kopflos hinterher rennen!

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