Sie ist ein Mann.

Nachdem das Café gestern weniger gut besucht war und ich alle Gala-Artikel über die royalen Ferien in Dänemark und Helmut Kohls Fahrer Ecki gelesen hatte, sah ich mich gewzungen, einen Blick in der Spiegel zu werfen. Also in den lesbaren Spiegel. Da fand ich einen Artikel über die neue Yahoo-Chefin, wie auch immer sie wieder heißt. Schwanger ist sie auf jeden Fall, das finden alles recht faszinierend. Und Konzern-Chefin ist sie auch, das bewegt die Welt nicht weniger. Und der Spiegel, ja, der hat noch eine weitere Info rausgehauen: Sie ist ein Mann. „Und warum ist sie ein Mann?“, fragen sich die Unkundigen unter uns. Ich möchte es erklären.

Zunächst studierte sie nämlich Informatik an einer Elite-Uni, dann stieg sie bei Google ein und veranlasste dort wohl irgendwelche Sachen, die Google heute so gut dastehen lässt. Dann war sie irgendwie lange, lange ziemlich, ziemlich gut in ihrem Job, obwohl sie gut aussieht und sich gerne schminkt. Dann kam sie zu Yahoo, was sie jetzt retten soll. Deswegen ist sie ein Mann. Normale Frauen können das nämlich nicht. Normale Frauen studieren Kunst und Englisch auf Lehramt an einer Durchschnitts-Uni, werden verbeamtet und kriegen dann ein Kind, während sie nebenbei auch gerne schön aussehen dürfen. Normale Frauen hüten sich, Konzerne zu retten, klug, hübsch und schwanger gleichzeitig zu sein. Normale Frauen steigen nicht zu Chefpositionen auf. Und wenn doch, dann sind sie eben ein Mann, ein hübsch zurecht gemachter, schwangerer Mann. Danke Spiegel, für diese Sternstunde journalistischer Argumentation!

Ich möchte nun keinen Emanzenkrieg neu entfachen und auch nicht für Achselhaare, geschlechtsneutrale Kleidung und gendergerechte Formulierungen_unginnen plädieren. Aber, falls irgendwann der unrealitischste Fall eintritt, dass ich in etwa 15 Jahren zur Konzern-Chefin von, sagen wir, dem strauchelnden Facebook aufsteige und vorher schon Skype vor dem Ruin gerettet habe, möchte ich dem Spiegel Folgendes ausrichten: Ich bin eine Frau. Und habe vor es zu bleiben.

Also: LG.

Hier folgt eine grobe und rücksichtslose Auskotzerei über LG. Im Volksmund auch als „Liebe Grüße“ bekannt. Gegen „Liebe Grüße“ habe ich rein gar nichts, nichts, nichts. Es ist ja selbst meine Alltagsabschiedsformel von Emails. Aber LG. Freunde, bei LG kriege ich die absolute Lebenskrise.

Es gibt nun Menschen, die eben jenes LG mit viele Liebe und Hingabe pflegen und benutzen. Sie benutzen es vielleicht als Abschiedsformel nach einer SMS an einen Bekannten. Oder nach einer kürzeren Email an einen Kommilitonen, mit dem man nicht sonderlich mehr macht als notwendigerweise ein kleines Referat. Das ist auch alles legitim. In Ordnung ist es nicht, aber legitim. Wobei: Bei SMS kann ich LG noch nachvollziehen. Immerhin kann man in manchen fällen durch diese Abkürzung eine ganze SMS sparen. In Zweiten von SMS-Flats natürlich ein großer Gewinn. Sagen wir so: Ursprünlgich ist LG bei SMS zwar nicht gern gesehen, aber erlaubt. Aber. Bei Emails. Bei Emails sieht das Leben anders aus. Meine Tolranz nimmt gerade bei Emails en jähes Ende. So jäh, dass ich unter keinerlei Umständen Verständnis für LG habe. Nicht an den Kommilitonen, nicht an einen gflüchtigen Bekannten, nicht an den Ebay-Kleinanzeiger. Unter keinen, nicht mal unter den widrigsten Umständen habe ich inwzischen Verständnis dafür. Denn ich verknüpfe mehr als nur „Liebe Grüße“ damit.

Was ich mit LG verbinde? LG in einer Email zeigt, dass der Schreiber „im Stress“ ist. LG in einer Email zeigt, dass der Schreiber nur etwas als Abschiedsformel brauchte. Ich kaufe dem Schreiber LG nicht als liebe Grüße ab. Ich kaufe dem Schreiber auch nicht ab, dass er mich überhaupt grüßen wollte, als er LG geschrieben hat. Ich weiß aber sicher, dass der Schreiber keine Lust darauf hatte, es auszuschreiben. (Stress? Genau.) Ich fühle mich durch LG nicht lieb gegrüßt, ich fühle mich abgewatscht. Ich empfinde mich und den Inhalt meiner Nachricht, weswegen der Schreiber antworten musste, als lästig und unnötig. Jetzt kann man denken, ich steiger mich in dese zwei Buchstaben extrem hinein. Nein. Flüchtigen Bekannten nehme ich LG nicht übel. Wie gesagt: Ich freue mich nicht. Aber ich vergesse meinen sekündlichen Unmut auch rasend schnell wieder. Bei Freunden, oder bei Personen, die sich gerne so nennen, sieht das anders aus.

Es gibt Menschen aus dieser Sparte, die nicht nur nur LG schreiben. Nein. Sie bringen es nicht mal fertig, auch noch ihren Namen dahinter zu schreiben. Nehmen wir an, ich kriege eine Nachricht von meiner Freundin Victoria. Wenn Victoria eine solche Schreiberin wäre, würde sie an das Ende ihrer Email „lg V“ setzen. Ganz schlicht, ganz kurz. Ich sehe dann diesen Emailschluss und kriege krampfhaften Schüttelfrost. V war nicht mal mehr in der Lage, die lieben Grüße, die sie mir doch ach so lieb und gerne und herzlich zusenden möchte, groß zu schreiben. V war noch weniger in der Lage, ihren eigenen Namen auszuschreiben. V wollte einfach nur diese lästige Email an mich beenden. Nicht mehr, nicht weniger. Und da dachte sich V, sie nimmt den Weg des gerinsten Widerstandes: Grüße klein und abgekürzt, Name groß und initial. So einfach ist das. V hat ein einfaches, pragmatisches Leben. V optimiert ihren Lebensalltag selbst beim Emailschreiben. Das ist großes Kino, ganz großes Kino der Rationalität und Zeiteffiziens. Aber was V nicht weiß: Ihr „lg V“ kann ganze Emails zerstören. Sie kann vorher in den malerischsten Tönen von Liebe und Leben und Philosophie und Musik gesungen haben. Ich werde ihre Email löschen und verbannen und mich wochenlang darüber ärgern.

Wenn ich mich also schon durch LG nicht hinreichend „lieb gegrüßt“ fühle, dann durch „lg V“ noch am allerwenigsten. Es sind keine lieben Grüße. Bitte bitte bitte, liebe Optimierfrau, dann tu auch nicht so! Schreib lieber: Deine Victoria. Oder: Bis dann, Vickan. Oder: Man sieht sich! Oder wie wäre es mit einem schlichten: Tschüß!

So. Hier also meine Gefühlslage zu LG und „lg V“. Die Beispiel beruhen auf wahren, sich tatsächlich zugetragenen Emaildialogen. Herzlich willkommen in meinem Schriftverkehr.

Forever young!

„So jung müsste man nochmal sein, dass man solche flotten Höschen tragen könnte!“, sagte ein der drei alten Damen im Café und musterte mich von oben bis unten. „Ja… denken Sie nicht, dass wir sowas früher nicht getragen hätten!“

Und da stand ich, mit 3 leeren Latte Macchiato-Gläsern in der Hand, und wusste nicht so recht, ob es Kompliment oder Kritik an der Wahl der Jeans-Shorts war, das diesen Satz aus ihr hervorlockte.

Paradoxien des Studiums

Mündliche Bachelorprüfung:
Dauer: 45 Minuten
Lernzeit: 6 Wochen
Ertrag: 6 Credit-Points
Bezug zu Studium und Lehrinhalten: Kolossal.

Swahili-Klausur:
Dauer: 1,5 Stunden, davon benötigt 0,5 Stunden
Lernzeit: 1 Tag
Ertrag: 7 Credit-Points
Bezug zu Studium und Lehrinhalten: Marginal.

Bitte, kann mir irgendein Mensch das Leben und wie es funktioniert erklären?

The moment you thought was a big one

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Damals, als man dachte, dass man weise ist, sobald sich der Ordner „Bachelorarbeit“ auf dem eigenen PC einfindet. Damals wusste man nicht, dass man sich zu ebenjenem Moment so unweise wie nie zuvor in seinem Leben fühlen würde. Weil man damals nicht wusste, dass dieser Moment ein ungeahnt stressiger und von anderen Prüfungen und Stressigkeiten überschatteter werden würde. Damals, da wusste man auch nicht, dass man den ersten Essay für seine Bachelorarbeit, deren Idee man schon seit Wochen mit sich herumschleppt, in 20 Minuten niederschreiben würde, weil man anders keine Zeit dafür finden würde. Damals, ging man davon aus, dass alles, was unter dem Deckmantel der Bachelorarbeit entstehen würde, einen gewissen Pathos in sich tragen würde.
Damals, du hattest keine Ahnung von Jetzt!

One week to go

Was man eine Woche vor der schrecklichsten, weil mündlichen, Prüfung seines Lebens tut: Formeln aufstellen.

Zu meiner Beruhigung dachte ich mir, es sei eine gute Idee, sich nun mal ganz pragmatischen Dingen zu widmen, wenn man schon den ganzen Tag über Ästhetik und Realismus hängt. Gleichzeitig sollte diese Pragmatik mir zu ein wenig Ablenkung am 7. Tage vor D-Day verhelfen. Also stellte ich eine Formel auf. Sie lautet folgendermaßen:

(29,8+25x):43=y

Für x setze man den durchschnittlichen Notenwert ein, den man zu erreichen gedenkt (bestenfalls 1,0, schlimmstensfalls 4,0, alles dazwischen ist Kür).
Für y setze man die erhoffte oder befürchtete Endnote ein (bestenfalls ergibt sich aus x=1, schlimmstenfalls ergibt sich aus x=4,0).

Fazit:
1. Ich kann nicht mehr schlechter landen als 3,1. (Wenn ich alles bestehe.)
2. Mit x=3,0 erreiche ich 2,4. was bedeuten würde: Masterplatz, here I am.

Es klingt verrückt, aber vor allem Info Nr.2 hat mich ein wenig beruhigt. Ich hätte doch Mathe studieren sollen.

Das Problem

Momentan spielt sich mein Leben zwischen weißen Bücherregalen und auf grünem Teppich ab. Den lieben langen Tag mache ich nichts anderes, als meinen Kopf zwischen schwarzbedruckte Seiten zu stecken und dann und wann auch etwas davon aufzuschreiben. Zwischendurch denke ich auch ein bisschen nach. Dann hole ich mir das nächste Buch und das Spiel beginnt von vorne. Und nun zum Problem an der ganzen Sache: Ich würde mich jetzt wahnsinnig gerne ins Bettchen legen und ein bisschen lesen. Also so lesen wie in entspannen. Lesen wie in „endlich mal wieder richtig Zeit fürs Lesen haben“. Oder wie in „Lange kein gutes Buch mehr gelesen“. Aber in diesen Tagen ist Lesen sowas von ungleich Entspannung. Und ich mache den ganzen Tag nichts anderes, als gute Bücher zu lesen. Und ich nehme mir ja quasi jeden Tag 8 Stunden Zeit fürs Lesen. Mein Gehirn kriegt diesen Umstand aber nicht so ganz hin. Mein Gehirn denkt immer noch, dass Lesen jetzt die reinste Entspannung bedeuten würde, aber begreift nicht, dass es sich gleichzeitig an Information und Wörtern übergeben würde.
So, da ist also, etwas wirr, mein Dilemma. Ich möchte lesen, um mich vom Lesen zu entspannen.