Also: LG.

Hier folgt eine grobe und rücksichtslose Auskotzerei über LG. Im Volksmund auch als „Liebe Grüße“ bekannt. Gegen „Liebe Grüße“ habe ich rein gar nichts, nichts, nichts. Es ist ja selbst meine Alltagsabschiedsformel von Emails. Aber LG. Freunde, bei LG kriege ich die absolute Lebenskrise.

Es gibt nun Menschen, die eben jenes LG mit viele Liebe und Hingabe pflegen und benutzen. Sie benutzen es vielleicht als Abschiedsformel nach einer SMS an einen Bekannten. Oder nach einer kürzeren Email an einen Kommilitonen, mit dem man nicht sonderlich mehr macht als notwendigerweise ein kleines Referat. Das ist auch alles legitim. In Ordnung ist es nicht, aber legitim. Wobei: Bei SMS kann ich LG noch nachvollziehen. Immerhin kann man in manchen fällen durch diese Abkürzung eine ganze SMS sparen. In Zweiten von SMS-Flats natürlich ein großer Gewinn. Sagen wir so: Ursprünlgich ist LG bei SMS zwar nicht gern gesehen, aber erlaubt. Aber. Bei Emails. Bei Emails sieht das Leben anders aus. Meine Tolranz nimmt gerade bei Emails en jähes Ende. So jäh, dass ich unter keinerlei Umständen Verständnis für LG habe. Nicht an den Kommilitonen, nicht an einen gflüchtigen Bekannten, nicht an den Ebay-Kleinanzeiger. Unter keinen, nicht mal unter den widrigsten Umständen habe ich inwzischen Verständnis dafür. Denn ich verknüpfe mehr als nur „Liebe Grüße“ damit.

Was ich mit LG verbinde? LG in einer Email zeigt, dass der Schreiber „im Stress“ ist. LG in einer Email zeigt, dass der Schreiber nur etwas als Abschiedsformel brauchte. Ich kaufe dem Schreiber LG nicht als liebe Grüße ab. Ich kaufe dem Schreiber auch nicht ab, dass er mich überhaupt grüßen wollte, als er LG geschrieben hat. Ich weiß aber sicher, dass der Schreiber keine Lust darauf hatte, es auszuschreiben. (Stress? Genau.) Ich fühle mich durch LG nicht lieb gegrüßt, ich fühle mich abgewatscht. Ich empfinde mich und den Inhalt meiner Nachricht, weswegen der Schreiber antworten musste, als lästig und unnötig. Jetzt kann man denken, ich steiger mich in dese zwei Buchstaben extrem hinein. Nein. Flüchtigen Bekannten nehme ich LG nicht übel. Wie gesagt: Ich freue mich nicht. Aber ich vergesse meinen sekündlichen Unmut auch rasend schnell wieder. Bei Freunden, oder bei Personen, die sich gerne so nennen, sieht das anders aus.

Es gibt Menschen aus dieser Sparte, die nicht nur nur LG schreiben. Nein. Sie bringen es nicht mal fertig, auch noch ihren Namen dahinter zu schreiben. Nehmen wir an, ich kriege eine Nachricht von meiner Freundin Victoria. Wenn Victoria eine solche Schreiberin wäre, würde sie an das Ende ihrer Email „lg V“ setzen. Ganz schlicht, ganz kurz. Ich sehe dann diesen Emailschluss und kriege krampfhaften Schüttelfrost. V war nicht mal mehr in der Lage, die lieben Grüße, die sie mir doch ach so lieb und gerne und herzlich zusenden möchte, groß zu schreiben. V war noch weniger in der Lage, ihren eigenen Namen auszuschreiben. V wollte einfach nur diese lästige Email an mich beenden. Nicht mehr, nicht weniger. Und da dachte sich V, sie nimmt den Weg des gerinsten Widerstandes: Grüße klein und abgekürzt, Name groß und initial. So einfach ist das. V hat ein einfaches, pragmatisches Leben. V optimiert ihren Lebensalltag selbst beim Emailschreiben. Das ist großes Kino, ganz großes Kino der Rationalität und Zeiteffiziens. Aber was V nicht weiß: Ihr „lg V“ kann ganze Emails zerstören. Sie kann vorher in den malerischsten Tönen von Liebe und Leben und Philosophie und Musik gesungen haben. Ich werde ihre Email löschen und verbannen und mich wochenlang darüber ärgern.

Wenn ich mich also schon durch LG nicht hinreichend „lieb gegrüßt“ fühle, dann durch „lg V“ noch am allerwenigsten. Es sind keine lieben Grüße. Bitte bitte bitte, liebe Optimierfrau, dann tu auch nicht so! Schreib lieber: Deine Victoria. Oder: Bis dann, Vickan. Oder: Man sieht sich! Oder wie wäre es mit einem schlichten: Tschüß!

So. Hier also meine Gefühlslage zu LG und „lg V“. Die Beispiel beruhen auf wahren, sich tatsächlich zugetragenen Emaildialogen. Herzlich willkommen in meinem Schriftverkehr.

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