Über die Uninspiration

Es ist grausam. Seit Wochen und Monaten schon befinde ich mich in der inspirationslosesten Lage meines Lebens. Nichts kommt mir über die Finger, nicht mal ein einziger, schöner Satz hätte in den letzten Wochen die Gnade gehabt, mich mit seiner Anwesenheit in meinem Gehirn zu erfreuen. Ich schiebe es auf den Menschen, der die Universität und ihr System an sich erfunden hat. Da studiere ich schon das Brotloseste und doch Kreativste, das ich mir vorstellen konnte, und trotzdem ist es gerade die Uni, die mir allen Schreibdrang raubt. Weil sie mich stets auf den Boden der wissenschaftlichen Tatsachen zurückholt und mir ständig vorhält, wie kümmerlich Wortblüten und wie sinnlos Schachtelsätze sind. Für ihren Diskurs hat sie Recht. Aber sie soll aufhören, mit dieser Einstellung auch in meinen Privatschreibereien rumzufuschen.
Denn da wäre so vieles gewesen, über das ich gerne geschrieben hätte. Es ist ja doch so, dass bei Zeiten die Inspiration auftaucht, aber nunmal seit Wochen schon zu den absolut ungeeignetesten Zeitpunkten überhaupt. Da saß ich zum Beispiel letztens nach einem Besuch bei Tante und Großeltern im Auto meiner Eltern und hätte mich sofort und dringend über meine Opa und seine ihm ständig drohende Gefahr, wieder fluchtartig das Land verlassen zu müssen, ausgelassen. Aber da saß ich und es waren weder Stift, Papier, noch Laptop in Reichweite. Oder ein anderes Mal, als ich mich gerne über die Wissenschaft und ihren Elfenbeinturm empört hätte. Über Literatur und warum meine Uni davon ausgeht, dass nicht jeder alles lesen kann. Und warum mich das nervt und aufregt und wieviel Zeit ich da rein investieren könnte, den Menschen endlich zu verstehen zu geben, dass man weder evangelisches Gesangbuch, Shakespear noch Bibel gelesen haben muss, um den Kanon zu verstehen. Und sowieso: Schon lange möchte ich über die Arroganz der Literaturmenschen schreiben. Die Rollkragenträger und Cordsakkoliebhaber, denen vom bloßen Anblick eines Reclamhefte das Wasser im Munde zusammenläuft und die Loriot selbst nicht besser karrikieren könnte, wie sie sich zu Literaturgesellschaften zusammenpferchen und exklusive Lesetreffen veranstalten.
Weiterhin habe ich immer wieder vor, über Komplimente von alten Damen und ihren Stellenwert in meinem Leben zu faseln.

Ja. Das und noch viel mehr spukt mir also im Kopf herum und kommt nicht raus. Hoffen wir auf inspiriertere Zeiten.

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