The akward moment…

when you have a grandiose Geschäftsidee, mit der du schon deinen unendlichen Reichtum imaginiert hast, and realize thats it’s already done before. Und zwar 1000 Mal.

Gestern noch, da fuhr ich Bus und plötzlich überkam mich eine göttliche Idee. Eine App müsste man haben, mit der man Geschenkideen verwalten könnte. Jede Person, die man kennt und der man etwas schenken möchte, befindet sich in einem Geschenkeverzeichnis und sobal man an den unmöglichsten Gelegenheiten seines Lebens eine Idee für eine beliebe Person aus diese Verzeichnis hat, öffnet man die App und trägt ebenjene Idee ein. Später am Abend wurde dieser Gedanke dann noch perfektioniert: Vernetzung mit Mit-Schenkern per Internet, automatische Suche und INformation, wenn man sich in der Nähe eines möglichen Geschenkes befindet, sodass man es dann direkt im Laden kaufen kann.

Ja, ja. Das große Geld und der weltweite Ruhm. Beides befand sich schon in meinem Besitz. Und heute, erste Recherche für das neue Geschäft. Google hat 1,3 Millionen Treffer. Darunter Tests, die Geschenkideen-Apps miteinander verglichen haben.

Blöd gelaufen, das mit dem Reichtum.

15% to go!

Heute also den letzten großen Rest des Prüfungsmarathons hinter mich gebracht und nun steht mir und meinem Bachelorette-Dasein nur noch dieses unbedeutende Schriftstück namens Bachelorarbeit im Wege. Hello again, my dearest Bib!

Long tima, no see. Oder nicht.

Autistische Züge

„Und das stört dich… weil…. du… autistischte Züge hast?!“, fragte meine Mitbewohnerin neulich, als ich ihr von einem Problem erzählte, mit dem ich seit ein paar Tagen umgehen muss. Kurz gesagt: Wenn ich alt bin, wird mein Gesicht asymetrisch. Und das weiß ich schon heute, denn, wenn ich meine Stirn runzele, runzel ich sie asymetrisch. Auf der Stirn an sich ist alles in Ordnung, aber zwischen den Augenbrauen. Da bildet sich eine Zornesfalte. Mit Zornesfalten an sich hätte ich kein Problem. Mein Problem ist, dass sie sich viel zu weit an der rechten Augenbraue bildet. Und nicht in der Mitte. Ergo: Ich werde asymetrisch und das macht mir zu schaffen.

Meine Mitbewohnerin ist Sonderpädagogin, sie weiß also, wovon sie spricht, wenn sie etwas von autistischen Zügen sagt. Und sie hat da nicht so sehr unrecht, wie ich gerne hätte. Eben musste ich mich wieder bei meinem Autisten-Dasein ertappen. Ich stolperte, wie immer, wenn ich lernen sollte, über einen neuen Blog. Bestimmt ist er wunderschön, denn er handelt von deutschen Auswandern in Schweden. Aber ich kann ihn unter keinen Umständen lesen. Grund dafür ist die Art und Weise, wie die Bloggerin alle Einträge unterschreibt. Nämlich so:

„Kram,“

Zu Deutsch „Umarmung,“. In Worten: Umarmung komma. Und nichts weiter. Einfach „Umarmung,“. Selbst wenn ich das hier schreibe, kriege ich Gänsehaut. Man darf keinen Blogeintrag mit einem Komma beenden. Das ist unvollständig und dann kommt da wieder mein Problem mit der Unendlichkeit. Ein Komma bedeutet, dass noch etwas (Achtung, Wortwitz) kommt. Ein Komma ist kein adäquater Abschluss für keinen Text dieser Welt. Für nichts ist ein Komma ein gültiger Abschluss. Wenn da ein Komma steht, wird meinem Gehirn suggeriert, dass es noch nicht vorbei ist, dass ich auf etwas warten muss. Auf den Punkt zum Beispiel, mit dem ein Satz beendet werden könnte. Oder auf einen Namen, etwa „Umarmung, Hansdieter“. Und so denke ich nun immer, dass ich das Ende des Blogeintrages verpasst habe oder nicht finden kann. Nun, deswegen werde ich nie wieder auf diesen Blog gehen. Er macht mich nämlich wahnsinnig, mich Autistin.

Warum ich außerdem unerkannte autistische Züge habe: Ich sortiere die Spülmaschine meines Cafés akkurat nach Art des Geschirrs ein. Löffel zu Löffel, kleine Tassen immer in die gleiche Reihe. Gläser niemals zu den Milchkaffeetassen. Ich bilde mir ein, dann ginge das Ausräumen hinterher schneller. Das ist aber nur Selbstbetrug.
Ich darf seit geraumer Zeit, etwa seit meiner frühen Jugend, nicht auf Linien zwischen Pflastersteinen treten. Ja, immer noch nicht. Ich hasse es, wenn Menschen Emails ohne anständige Absatzaufteilung schreiben. Wenn ich Kuchen schneiden soll und keine gerechten Stücke hinkriege, wurmt mich das auch, wenn jedem sein Stück gereicht hat.
Naja, und das Übliche eben: Bilder dürfen nicht schief hängen, Parkettboden nicht quer zur Wand zulaufen und Primzahlen bringen mich aus dem Konzept.

Zum Trost gab mir meine Mitbewohnerin übrigens noch Folgendes mit auf den Weg: „Kein Angst, wenn du alt bist, hast du auch auf der anderen Seite diese Falte“. Sie weiß, wie man damit umgeht. Sie ist ja vom Fach.

Le Vormund, c’est moi.

Daniel Kehlmann hat einmal in einem Interview gesagt, dass er immer noch den Drang hat, einem Erwachsenen Bescheid zu sagen, wenn etwas passiert oder schief gelaufen ist. Daniel Kehlmann ist 37 Jahre alt und nicht mehr nur die neue Hoffnung für die jetzige Literatur. (Lest! Lest! Lest die Vermessung der Welt!) Und Daniel Kehlman hat Recht. Ich bin nun noch nicht mal Mitte 20 und dementsprechend ein wenig weiter weg vom offiziellen Erwachsensein als er, aber ich denke, ich werde auch in 15 Jahren noch dieses Bedürfnis empfinden.
Ich werden auch mit 30 noch davon ausgehen, dass ich meiner Mutter Bescheid sagen soll, dass ein Glas in der Küche zu Bruch gegangen ist und wir nun wieder eins weniger haben. Ich werde mich lebenslang in der Familienversicherung meiner Eltern wähnen. Ja, Kranken-, Unfall und vor allem Haftpfligtversicherung. Ja ja, alles da, alles versichert.
Noch heute gehe ich davon aus, dass mein Konto in irgendeiner Art ein Unterkonto des Kontos meiner Eltern ist. Dass ich irgendwie in dieser Form bei der Bank abgespeichert bin: Yate, Tochter von Yatemama und Yatepapa, darf dieses Konto unter dem Vormund ihrer Eltern führen. Ich weiß natürlich, dass ich inzwischen ein einzelner Mensch bin und dass das nicht stimmt. Dass mich alle Banken höchstpersönlich selbst verarschen können und dafür keine Erlaubnis der Erziehungberechtigten vorliegen muss.
Aber ich kriege das nicht aus meinem Bewusstsein, nie wieder. In meiner Welt warte ich immer noch auf den ersten Elternsprechtag der Uni, wo sich meine Profs und Dozenten über meinen mangelnden Lesewillen beklagen. In meiner Welt hat das Prüfungsamt meinen Eltern sämtliche Prüfungstermine schriftlich bestätigt. Alles heimlich. Sie möchten mich in meinem schönen Glauben lassen, erwachsen zu sein in einer erwachsenen Welt.
Sie möchten nicht, dass ich irgendwann herausfinde, dass eigentlich alles Mama und Papa geregelt haben. Dass Herr Prof. Dr. Dr. h.c. seine Noten zuerst mit meinen Eltern abspricht, dann mit mir.
Denn in dieser Welt, in der ich lebe, kann man mir unmöglich erlaubt haben, ein eigenes Leben zu führen. Man kann unmöglich zugelassen haben, dass ich ohne Aufsicht Auto fahren darf, Zugtickets buchen und bezahlen, mich im Ausland bewerben kann. Ohne Unterschrift eines Erziehungberechtigten.

Allein, dass ich inzwischen in der Stadt herumlaufen darf, ohne mich mit zwei Mitschülern zu einer Dreiergruppe zusammenschließen zu müssen. Allein das ist unverantwortlich.

Und jetzt stelle man sich vor, dass ich ein ganz eigenes Leben habe! Ein ganz eigenes, mit Konto und Brillenversicherung auf meinen Namen!