Neu in der Stadt.

Da ich sowieso nichts tue, als diverse Wohnungsportale zu aktualisieren, während draußen der Sommer so wütet, dass die Menschen schon über Sonnenschein klagen können, kann ich genauso gut auch diesen alten Blog aktualisieren. P, du hast es dir so gewünscht.Was ich also getan habe, die letzten Wochen und Monate:
Das größte, das ich vollbracht habe, war wohl, mich für diese Stadt, in der ich jetzt Wohnungen suche, zu entscheiden. Kulturschock, sagen manche. Gar nicht so schlimm, meinen andere. Schön, groß, royal und freundlicher als gedacht, finde ich. Die Schönheit dieser Stadt kommt auch ohne Kommentare aus: Grün an jeder Ecke, reihenweise Altbau, pompöse Bauten, Residenzen, Uni-Gebäude mit Kuppel und Orgel, Springbrunnen vorm Hörsaal. Und alles davon ist groß, groß, groß. Und weit weg. Während der Druchschnittsstudent in Köln nur die drei Straßen um das Philosophikum als Top-Lage bezeichnet, ist man hier froh, auf dem Weg zur Uni nicht noch die U-Bahn wechseln zu müssen. Daran muss ich mich, 7 Minuten vor Beginn der Vorlesung aufs Fahrradsetzer, noch gewöhnen. Ich arbeite dran.
Royal ist diese Stadt über alle Maßen. Hier erinnert eine Straße an die nächste Prinzessin, ein Gebäude ist dem nächsten König gewidmet und ein Monument glorifiziert die nächste Heldentat.
Freundlich also. Das war die größte Angst. Ob ich nach all der Kölner Herrlichkeit jemals wieder lächelnde Gesichter in der U-Bahn sehen werde. Ob nach all der mitternächtlichen Freude dieser Kioskbesitzer über die Weisheiten der Studentenschaft auch nur irgendjemand Verständnis für bruttoinlandsproduktschädigende Menschen zeigen wird. Ob jemals wieder schicke Omas die Frage nach dem Weg vorschieben, um letztendlich über ihre bevorstehde Augen-OP und den Enkel in Singapur zu reden. All das ist geschehen, wider Erwarten. Denn auch hier können die Menschen grundlos lächeln, die Café-Besitzerin teil das letzte Stück Quiche nicht mehr („wäre eh zu klein zum Verkaufen“) und gibt mir zwei für eins und die Oma verstehe ich zwar kaum, weiß jedoch, dass die Augenklinik gut und der Enkel in Singapur zufrieden ist.

Und so ist es doch ganz gut, dass diese Stadt im Gegensatz zu Köln nicht all ihre Klischees bedient. Aber dem mit dem katastrophalen Wohnungsmarkt – dem wird sie nicht nur gerecht. Sie übertrifft alle schrecklichsten Erwartungen. Ich verpasse den Sommer vor dem Computer sitzend und auf Aktualisieren klickend. Ich werde depressiv und suche nach dem Fehler an mir, wegen dem man nicht mir mir zusammen wohnen möchte. Ich überlege, wie schlimm es wohl wäre, jeden Tag zwei Stunden zu pendeln. Und ich habe keine Ahnung, was das schlimmste daran ist: Kein Sommer, Selbstzweifel oder Pendlerleben?

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