So viele Sprachen!

Ich habe eben den Versuch gestartet, mich über meine eigene Mehrsprachigkeit auszulassen. Er ist gescheitert. Ich versuche nicht weiter, es zu erklären, sondern poste nun einfach dieses Video und werfe Folgendes In den Raum: Wie seltsam eigentlich, dass ich hier alles verstehe? Und wie seltsam eigentlich, dass mein Gehirn das nicht übersetzt, sondern einfach versteht?

Abgesehen von den wirren Gedanken, ist dies ein schönes Lied. Norwegisch übrigens! Wie konnte es nur dazu kommen, dass ich Norwegisch verstehe und heute auch noch dazu eingeladen wurde, an einem Public Viewing teilzunehmen. Ein Public Viewing, das eine Konferenz in Kopenhagen verfolgt. Eine Konferenz über einen schwedischen Dialekt. Über Älvdalska. Lieber Gott, wann ist endlich Schluss mit dieser Freakigkeit?

Wie dem auch sei. Als ich heute im Uniflur stand, unterhielt ich mich mit einem Kommilitonen auf Deutsch. Hinzu kam eine Dozentin, die mich etwas auf Schwedisch fragte und daneben spielte sich ein dänisches Gespräch ab. Alles lief irgendwie in meinem Gehirn problemlos zusammen. Dafür möchte ich dir danken, liebes Gehirn. Danke, dass so viele Sprachen nicht nur Laute für mich sind, sondern tatsächlich Sinn ergeben. Gelobt sei die Brotlosigkeit der Skandinavistik, der Wirrwarr des Russlanddeutschen und die Konsistenz von Schulfranzösisch.

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Lukas. Oh Lukas.

Ich habe so viel von dir gelernt. Du warst meine Jugend, mein Sommermärchen und mein Studium, meine Weltmeisterschaft. Du hast das kölsche Herz und den rheinischen Frohsinn. Und nun auch noch eine Kleiderlinie. Lukas, wenn du wüsstest, wie sehr du mir mit diesem Pullover aus der Seele sprichst!

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Lange habe ich darüber nachgedacht, mir zum Abschluss des Studiums einen Pullover meiner Universität zu kaufen, vielleicht sogar auch von beiden. So wie ein Abi-Shirt, das man sich zum Abschluss kauft und dann zweimal beim Grillen anhat, bevor man es höchstens in größter Verlegenheit zum Schlafen anzieht. Das hätte ich mir also gekauft und wäre in zwei Jahren zufällig beim Aussortieren darüber gestolpert und hätte vermutlich kurz wehmutig dreingeblickt und es dann wieder zurück gelegt. Wohin auch anziehen? Weiß doch jeder, dass man irgendwo studiert haben muss?

Aber Lukas, da du nun deine eigenen Uni-Pulli-Linie auf den Markt gebracht hast, sind diese Pläne verworfen. Ich brauche nur noch eins: Die University of Straße. Mit deinem Antlitz.

Hallo ich!

Für ein Ich, das dies hier eventuell in ein paar Jahren lesen wird: Gerade sitze ich mitten in deiner Masterarbeit, die hoffentlich dazu beitragen konnte, dass du heute Geld verdienst und einem Job nachgehst. Denn nichts sehnlicher wünsche ich mir gerade, wo sich die Bücher im Zimmer, die Bücher in der Bin und die Buchstaben im Dokument stapeln: Einen Job, der sich nicht um mich selbst dreht. Wie interessant ich meine Arbeit auch finde, sie soll letztendlich doch nur in 120000 Zeichen bezeugen, dass ich die Buchstaben M und A hinter meinen Namen schreiben kann. Mehr soll sie nicht und mehr wird sie auch nicht leisten. Ich werde damit nicht die Welt retten, ich werde damit keinen einzigen Cent Geld für irgendeine Wirtschaft der Welt einbringen. Diese Arbeit ist schlicht das Zeugnis von jahrelangem Um-Sich-Selbst-Drehen. Daher, liebes Ich der Zukunft, wünsche ich dir, dass du es geschafft hast, dich nicht mehr um dich selbst zu drehen und stattdessen irgendwie etwas Sinnvolles tust – entweder für die Welt oder für die Wirtschaft. Das ist mir egal. Du sollst die Welt nicht retten, aber du sollst irgendwo in der Welt ein bisschen relevant sein. Weiterhin erwarte ich von dir, dass du ab und an mich denkst, wie ich hier an diesem verregneten ersten Mai in meinem Bett sitze (ich hoffe, du hast inzwischen eine Couch zum Ausweichen! Vielleicht sogar mit Fernseher? Das wär ein Traum!) und mich selbst dafür bemitleide, noch 60000 Zeichen vor mir zu haben. Und noch 6 Wochen, in denen diese geschrieben sein müssen. Diese sechs Wochen werden vermutlich zäh und unfassbar schnell zugleich an mir vorbeiziehen. Jeden Tag werde ich an dich denken und mir vorstellen, wie es sich wohl lebt mit einem geregeltem Einkommen. Und wie man sich wohl fühlt, endlich auch etwas zum BIP beitragen zu können. Ab wann sehnst du dich eigentlich zu deinem Ich von 2015 zurück? Ich hoffe gar nicht, ich hoffe, dass du zufrieden damit bist, endlich etwas zum BIP beitragen zu können. Und ich gehe davon aus, dass du zumindest meistens motiviert zur Arbeit gehst. Also, bevor ich nun wieder in einem Strudel aus Schwedischsein, Fußball, Identität und Zlatan Ibrahimovic versinke, lass dir gesagt sein, dass du dennoch eine schöne Studentenzeit hattest. Aber das weißt du sicher.