Hallo ich!

Für ein Ich, das dies hier eventuell in ein paar Jahren lesen wird: Gerade sitze ich mitten in deiner Masterarbeit, die hoffentlich dazu beitragen konnte, dass du heute Geld verdienst und einem Job nachgehst. Denn nichts sehnlicher wünsche ich mir gerade, wo sich die Bücher im Zimmer, die Bücher in der Bin und die Buchstaben im Dokument stapeln: Einen Job, der sich nicht um mich selbst dreht. Wie interessant ich meine Arbeit auch finde, sie soll letztendlich doch nur in 120000 Zeichen bezeugen, dass ich die Buchstaben M und A hinter meinen Namen schreiben kann. Mehr soll sie nicht und mehr wird sie auch nicht leisten. Ich werde damit nicht die Welt retten, ich werde damit keinen einzigen Cent Geld für irgendeine Wirtschaft der Welt einbringen. Diese Arbeit ist schlicht das Zeugnis von jahrelangem Um-Sich-Selbst-Drehen. Daher, liebes Ich der Zukunft, wünsche ich dir, dass du es geschafft hast, dich nicht mehr um dich selbst zu drehen und stattdessen irgendwie etwas Sinnvolles tust – entweder für die Welt oder für die Wirtschaft. Das ist mir egal. Du sollst die Welt nicht retten, aber du sollst irgendwo in der Welt ein bisschen relevant sein. Weiterhin erwarte ich von dir, dass du ab und an mich denkst, wie ich hier an diesem verregneten ersten Mai in meinem Bett sitze (ich hoffe, du hast inzwischen eine Couch zum Ausweichen! Vielleicht sogar mit Fernseher? Das wär ein Traum!) und mich selbst dafür bemitleide, noch 60000 Zeichen vor mir zu haben. Und noch 6 Wochen, in denen diese geschrieben sein müssen. Diese sechs Wochen werden vermutlich zäh und unfassbar schnell zugleich an mir vorbeiziehen. Jeden Tag werde ich an dich denken und mir vorstellen, wie es sich wohl lebt mit einem geregeltem Einkommen. Und wie man sich wohl fühlt, endlich auch etwas zum BIP beitragen zu können. Ab wann sehnst du dich eigentlich zu deinem Ich von 2015 zurück? Ich hoffe gar nicht, ich hoffe, dass du zufrieden damit bist, endlich etwas zum BIP beitragen zu können. Und ich gehe davon aus, dass du zumindest meistens motiviert zur Arbeit gehst. Also, bevor ich nun wieder in einem Strudel aus Schwedischsein, Fußball, Identität und Zlatan Ibrahimovic versinke, lass dir gesagt sein, dass du dennoch eine schöne Studentenzeit hattest. Aber das weißt du sicher.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s