Alles wird gut.

Und das am Jubiläum – mal wieder zufällig fiel mir gerade, zwischen Umzugskisten und gepackten Taschen, ausgerechnet ein zu bloggen. Obwohl ich mich eigentlich nur selbst daran erinnern wollte, dass alles gut wird (trotz kaputtem Handy, immer noch fehlender Küche bei einem Einzug in die neue Wohnung, der in drei Tagen stattfinden soll und sonstigen „Unzulänglichkeiten“) hat WordPress mich wiederum daran erinnert, dass mein Blog und ich heute Fünfjähriges feiern.

Herzlichen Glückwunsch also an uns zwei! Lieber Blog, lass es krachen und feiern diesen Meilenstein. Ich überlege mir in der Zwischenzeit, wie ich wieder mobil erreichbar sein kann und wann ich sowohl Kuchen für die Arbeit als auch Umzugssnacks, Verischerungsshit, Küchenspaß und eine kleine Präsentation bis zum Ende der Woche geschafft kriegen soll. Ohne Küche. Halleluja.

Das Geschenk.

Oder die Gnade der europäischen Geburt.

Einen Monat lang bin ich durch drei Länder Asiens gereist, habe dort zwar vornehmlich Tourist gespielt, aber auch ein wenig von einem anderen Leben mitbekommen. Von einem Leben in nordthailändischen Wäldern, am Stadtrand von Phnom Penh oder im dreckigen Gewusel Bangkoks. Jedes Leben dort bringt sicher seine eigenen Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber auch seine eigenen Expertisen und Einzigartigkeiten mit sich und ich möchte jetzt nicht den ewig bemitleidenden Europäer spielen. Denn das wäre nicht fair – unseren Tourguide aus dem Dschungel in Thailand bewundere ich für sein unfassbar großes Wissen über Natur, Gefahr und eben Nicht-Gefahr, über seine Fähigkeit, aus Bambus die ganze Welt zu schnitzen und über das scheinbar unzerrüttbare Orientungsvermögen auf unwegsamem Gelände und über Stock und Stein. Und, vor allem, für die Leistung, ohne Unterricht ein so gutes Englisch gelernt zu haben, dass es für zwei Tage mit 10 von ihren Privilegien gelangweilten Europäern reicht. Dennoch, wie ich da durch den Wald gestiefelt oder durch die rotbraunen Straßen Kambodschas gefahren bin: Irgendwann hat mich ein Begriff nicht mehr losgelassen: „Die Gnade der europäischen Geburt“. Wie selbstverständlich habe ich Schulbildung, soziale Sicherheit und Frieden bekommen und angenommen. Was blieb mit hier auch anderes übrig?
Zurück in Deutschland, treibt die digitale Hetze gerade ihren Höhepunkt, während viel zu viele Menschen aufbrechen müssen, um in Europa dem vollkommen berechtigten Wunsch nach Sicherheit und (im wahrsten Sinne des Wortes) Leben nachzukommen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Und während sich die Welt dumm und dämlich diskutiert, wohin man nun „mit all den Menschen“ solle und warum diese ausgerechnet nach Deutschland wollen, frage ich mich eigentlich nur, ob jemals darüber nachgedacht wurde, was für ein unfassbares Glück es ist, zu genau diesen 82 Millionen Menschen zu gehören, die ausgerechnet in einem Land namens Deutschland geboren wurden.

Friede, Wohlstand und soziale Sicherheit haben wir nämlich nicht gepachtet. Wir haben da kein Monopol drauf und wir haben es auch nicht erfunden. Wir haben nur einfach Glück, zu dieser Generation zu gehören, die bis jetzt noch keinen Krieg mitmachen musste. Wir haben ein völlig unverdientes Geschenk erhalten, ohne irgendeinen Finger dafür gekrümmt haben zu müssen: Wir wurden zu richtigen Zeit am richtigen Ort geboren. Und jetzt kommen da Menschen, die eben zur falschen Zeit am falschen Ort gelebt haben – und dort sicher auch noch weiter leben möchten, aber leider existiert ihr Haus nicht mehr oder es droht, in naher Zukunft nicht mehr zu existieren.

Das Geschenk, das wir (von wem auch immer) durch unsere Geburt im Deutschland der 80er Jahre erhalten haben, ist zuletzt unser Verdienst. Vielleicht der unserer Großeltern und Urgroßeltern, vielleicht der unserer Eltern. Aber primär ist es ein Geschenk an uns, das wir sorgfältig verwahren und vor allen Dingen schätzen sollen – und das wir unbedingt teilen müssen. Denn man wird nicht ärmer, wenn man Glück teilt.