Victoria Diana Alexandra!

Das ist mein Tipp.

Advertisements

Hallo ich!

Für ein Ich, das dies hier eventuell in ein paar Jahren lesen wird: Gerade sitze ich mitten in deiner Masterarbeit, die hoffentlich dazu beitragen konnte, dass du heute Geld verdienst und einem Job nachgehst. Denn nichts sehnlicher wünsche ich mir gerade, wo sich die Bücher im Zimmer, die Bücher in der Bin und die Buchstaben im Dokument stapeln: Einen Job, der sich nicht um mich selbst dreht. Wie interessant ich meine Arbeit auch finde, sie soll letztendlich doch nur in 120000 Zeichen bezeugen, dass ich die Buchstaben M und A hinter meinen Namen schreiben kann. Mehr soll sie nicht und mehr wird sie auch nicht leisten. Ich werde damit nicht die Welt retten, ich werde damit keinen einzigen Cent Geld für irgendeine Wirtschaft der Welt einbringen. Diese Arbeit ist schlicht das Zeugnis von jahrelangem Um-Sich-Selbst-Drehen. Daher, liebes Ich der Zukunft, wünsche ich dir, dass du es geschafft hast, dich nicht mehr um dich selbst zu drehen und stattdessen irgendwie etwas Sinnvolles tust – entweder für die Welt oder für die Wirtschaft. Das ist mir egal. Du sollst die Welt nicht retten, aber du sollst irgendwo in der Welt ein bisschen relevant sein. Weiterhin erwarte ich von dir, dass du ab und an mich denkst, wie ich hier an diesem verregneten ersten Mai in meinem Bett sitze (ich hoffe, du hast inzwischen eine Couch zum Ausweichen! Vielleicht sogar mit Fernseher? Das wär ein Traum!) und mich selbst dafür bemitleide, noch 60000 Zeichen vor mir zu haben. Und noch 6 Wochen, in denen diese geschrieben sein müssen. Diese sechs Wochen werden vermutlich zäh und unfassbar schnell zugleich an mir vorbeiziehen. Jeden Tag werde ich an dich denken und mir vorstellen, wie es sich wohl lebt mit einem geregeltem Einkommen. Und wie man sich wohl fühlt, endlich auch etwas zum BIP beitragen zu können. Ab wann sehnst du dich eigentlich zu deinem Ich von 2015 zurück? Ich hoffe gar nicht, ich hoffe, dass du zufrieden damit bist, endlich etwas zum BIP beitragen zu können. Und ich gehe davon aus, dass du zumindest meistens motiviert zur Arbeit gehst. Also, bevor ich nun wieder in einem Strudel aus Schwedischsein, Fußball, Identität und Zlatan Ibrahimovic versinke, lass dir gesagt sein, dass du dennoch eine schöne Studentenzeit hattest. Aber das weißt du sicher.

Finale.

Es ist die letzte Hausarbeit meines Studiums und ich quäle mich wir bei keiner anderen zuvor. Ein bloßer Jammer. Alle zwei Sekunden schaue ich auf mein Handy und bin beleidigt, dass dort nichts passiert. Facebook kenne ich auswendig. Instagram hat gar nicht so viele Herzen, wie ich gerade verteilen könnte. Bei Twitter habe ich zwar keine Account, es jedoch trotzdem geschafft die meisten Hashtags auswendig zu lernen. Alle außer #thedress. Weil das ist hellblau und gold.

Lieber Gott. Ich verlange nicht viel. Aber bitte. Lass mich mein Gehirn endlich anmachen und den Scheiß fertig schreiben. IRGENDWIE.

Und wie ich noch vor zehn Jahren gesagt hätte, im PoWi-Unterricht neben L sitzend: I need help. From the orange. So, jetzt ist es raus.

Frisch zu Werke. Oder so.

Army of fortune

Trotz katastrophaler Updaterate, sehe ich gerade, dass sich hier immer noch 1-2 Menschen am Tag hinverirren. Herzlich Willkommen, ihr treuen Seelen!

Und ohne nun einen Monolog über das Leben an sich und mein Leben im Speziellen halten zu wollen, sei hier nur kurz dieses Lied gepostet:

Lieblingsmenschen, Armee des Glücks und Diamenten dieser Welt – fühlt euch geliebt!

So muss es gewesen sein.

Olliver Bierhoff war neulich auf dem Tag der offenen Tür irgendeiner Grundschule am Starnberger See. Dort wurden neben Kaffee und Kuchen auch Geduldsspiele angeboten. Oliver Bierhoff versuchte sich am Legen eines Rechtecks aus asymetrischen Einzelteilen. Er fand kurzfristigen Gefallen daran.
Etwa zwei Wochen später verlor die deutsche Nationalmannschaft ein „historisches Spiel“ gegen Polen. Für Joachim Löw ist das kein Beinbruch, Manuel Neuer gibt einen Fehler zu und Karim Bellarabi rennt wahrscheinlich immer noch von Tor zu Tor, in der Hoffnung, die Niederlage abwenden zu können. Oliver Bierhoff jedoch, dem fällt da dieser Tag der offenen Tür im Starnberger Spätsommer ein. „Geduld“, denkt er sich, „Geduld brauchen wir jetzt.“ Und da der Fußball von Symbolik lebt wie kaum ein anderer Sport, rekrutiert Oliver Bierhoff noch in der Nacht sämtliche Sozial-, Spiele- und Abenteuerpädagogen des Ruhrgebiets und lässt sie ihre Keller entrümpeln. Auf dass sie sämtliche „Methodenspiele“, die sie entweder längst vergessen oder zu oft mit den FSJlerinnen des Jugendtreffs Essen gespielt haben, herauskramen und am Montag zu den Herren Weltmeister bringen mögen.
Das Ergebnis sehen wir hier (bitte unbedingt bis zum Schluss gucken, Musik auf laut):

http://tv.dfb.de/video/geduldsspiele/9708/

Ich gehe davon aus, dass Mats Hummels, der „Typ für solche Spiele“, bis spät in die Nacht hinein mit Neu-Trainer Schneider über den Holzklötzen grübelte und am nächsten Morgen beim Frühstück den „gruppendynamischen Aspekt“ jener Spiele lobte. Joachim Löw lächelte daraufhin leicht geniert. Ich stelle mir vor, wie Lukas Podolski daneben sitzt und immer noch nicht fassen kann, dass wirklich ein Schlüssel in das Schloss passen sollte. Oliver Bierhoff setzt sich daneben und fragt Ron-Robert Zieler, wie oft er den heißen Draht habe berühren müssen. „War gar nicht so einfach“, antwortet dieser und versmalltalkt sich in einen Wirrwarr aus Draht, Holz und Funken, während man am anderen Ende des Tisches Matthias Ginters Erleichtung, in Zukunft wirklich nur noch Fußballrätsel lösen zu müssen, von seiner Stirn ablesen kann. Ich sehe weiterhin Manuel Neuer und Thomas Müller etwas weiter abseits, sie unterhalten sich an diesem Morgen nur wenig, stockend, still. Thomas Müller entgleitet ein „Des interessiert mi ois ned, der Scheißdreck. Den Pott hammer!“ und Manuel Neuer lächelt Oliver Bierhoff wohlwollend, verwirrt und pflichtbewusst zugleich, er ist schließlich gerade Kapitän, zu. Und während dieser schnell die angereisten Pädagogen verabschiedet und ihnen für das kleine Intermezzo dankt, sehe ich Jerome Boateng Musik hören und Karim Bellarabi um den Tisch rennen. Immer noch möchte er die Niederlage gegen Polen verhindern, immer noch weiß Poldi nicht, wie er diesen verdammten Schlüssels ins Loch bringen soll. Mario Götze stößt hinzu, tippt gelangweilt auf seinem Handy rum. Er schreibt wohl Marco Reus: „Hast nichts verpasst. Mussten gestern irgendeinen Quatsch mit Geduld spielen. Hab geschwänzt.“ Und während Erik Durm Mario Götze naiv fragt, ob seine Kopfschmerzen wieder besser seien, höre ich, wie Julian Draxler mit seiner Mutter telefoniert: „Kannst du mir meine alten Lück-Spiele nach Gelsenkirchen schicken?“ Toni Kroos betritt den Raum und muss erneut feststellen, dass Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miro Klose und Per Mertesacker auch an diesem Morgen fehlen. So setzt er sich neben Mats Hummels und lässt die immer noch andauernde, viel zu euphorische Diskussion über asymetrische Holzklötze über sich ergehen, sehnt sich aber danach, mit ihm bald wieder über Fußball sprechen zu können.

Insgesamt empfinde ich bei diesem Video also eine Mischung aus Rührung und Mitleid darüber, dass dort Millionäre und Weltmeister, hinterlegt mit Heldenmusik, Jugendgruppen-Spiele spielen. Andererseits hat dieses Video meine Phantasie so beflügelt wie lange keins zuvor. Danke, Oliver Bierhoff! Danke, Starnberger See!

Der liebe Gott!

Es ist verrückt! Nach Monaten des Desinteresses für diesen Blog durchstöbere ich ihn heute mal wieder, schaue mir die Videos an, die ich einst in Dauerschleife hörte und erinnere mich an jede einzelne Situation, die ich hier geschildert habe. Weit, weit blätter ich zurück und stoße eben auf den 27.9.2011.

„Dankbarkeit – Liebe Leserschaft,

ich weiß, dass ihr mir eigentlich zuhauf zu meinem heutigen Jubiläum gratulieren wolltet.“

Darauf stoße ich und stelle also fest, dass ich pünktlich zum vierjährigen Jubiläum mal wieder hier vorbeischaue und eigentlich so wahnsinnig viel zu berichten hätte. Großes und Kleines, Unwichtiges, Pathetisches, Lustiges und Tragisches. Aber vor allem Lustiges, natürlich. Was mir die letzten Tage am meisten durch den Kopf geht, ist die „Party, die der liebe Gott gerade feiert“ (Danke an C für diese so passende Lebenserklärung!). Wenn man nämlich genau aufpasst, passieren ständig Dinge in diesem verrückten Leben, bei denen sich derjenige, der sich das Drehbuch dazu ausgedacht hat, in einer Art humoristischem Dauerrausch befinden muss. Ich stelle mir vor, wie Gott da oben sitzt und eine Party arrangiert hat, die in unserer Zeit gemessen wochenlang anhält. Für ihn sind es nur ein paar Stunden, vielleicht zwei Tage. Als Partyspecial hat er seinen Gästen ein paar „Gucklöcher“ Richtung Erde vorbereitet. Wer da durchschaut, sieht Live-Sketche aus unserem Leben und amüsiert sich prächtig. Ich stelle mir vor, wie die himmlischen Gäste dabei zusehen, wie meine Eltern eine Party für die 50-jährige Freundschaft zwischen meinem Vater und seinem Freund geben. Wie mein Opa aus diesem Anlass einer seiner herrlichen Reden hält und ich, als biedere Tochter, in einer anderen Stadt meinen spießigen Samstagseinkauf tätige. Zu sehen wäre auch, wie vier Mädchen, drei Zwerge (einer davon ich) und eine große Schwedin, auf einem Schiff mit 300 Kölnern sind und dort Karneval feiern. Mitten im Sommer und in einem Land, das nie etwas mit Karneval am Hut hatte. Oder diese gesamte Situation um C.s akute Steißbeinentzündung, die zwischen all der Tragik mit einer Komik daherkommt, wie sie Loriot nicht besser hätte beschreiben können. Mehr dazu vielleicht wann anders, wenn ich endlich wieder Muse finde, hier etwas reinzuschreiben.

Bis dahin bleibt mir und diesem Blog nur, uns mal wieder herzlichst selbst zu gratulieren. Grattis till mig! Tack så jättemycket, tack tack! Pünktlich zum vierten Jahrestag wurde mir gestern übrigens von drei Personen (unabhängig voneinander) empfohlen, einen Blog zu starten. Ach, wenn ihr wüsstet!

Half a year away

Fast ein halbes Jahr ohne Jugendarbeit – es fühlt sich an wie ein ganzes Leben. Offiziell bin ich einen Monat raus, habe aber seit Oktober nicht mehr wirklich was gemacht. Wegen Umzug, Uni und Arbeit.  Es passiert so viel in so kurzer Zeit! Da etablieren sich ganz neue Strukturen, neue Freundschaften, Witze, Regeln, neue Kommunikation, neue Insider, von denen ich jetzt schon nichts mehr verstehe. Das ist gut, das muss so. Aber: mein weinendes Auge hat sich immer noch nicht ganz beruhigt.
Ich bin noch im Email-Verteiler des Leitungsteams, in dem ich so ewig war. Ich bin noch Teil von zwei Whats App-Gruppen, die darüber so viel regeln. Natürlich schweige ich, auch wenn ich so viel Senf dazuzugeben hätte. So gerne würde ich mitreden, auch wenn es nur darum geht, was beim nächsten Treffen gegessen wird. Aber ich weiß natürlich, dass auch ohne mich etwas mehr oder weniger Sinnvolles gegessen wird. Ich weiß natürlich, dass auch ohne mich die nächste Veranstaltung blendend läuft, auch wenn ich mitkriege, dass eine Woche vorher noch kein Zeitplan steht. Und ich weiß natürlich, dass die letzte Konferenz auch ohne mich so schlaue Ergebnisse hervorbrachte, wie wenn ich selbst mit abgestimmt hätte.

Aber ich kann mir den kleinen Kloß im Hals nicht verkneifen. Ich kann nicht bei Facebook einen Post von ihnen liken, ohne mir ein bisschen zu wünschen, es selbst geschrieben zu haben. (Und es vielleicht ein klein bisschen anders formuliert zu haben.)

Dieses ewige Nachtrauern. Es ist vielleicht doch nur das beste Zeichen dafür, dass ich meine gesamte Jugend lang meine Zeit auf beste Weise „verschwendet“ habe. Dass der ganze Matsch unter meinen Fingernägeln und die schlaflosen Nächte so viel goldrichtiger waren als alles, womit ich mich alternativ dazu hätte beschäftigen können. Danke Gott, dass ich das Turnen irgendwann nicht mehr ernstnahm und die Wettkämpfe gegen Wochenendfreizeiten eintauschte! Danke, dass ich ein paar Partys verpasste, weil ich nicht in der Stadt war, sondern in einem Selbstversorgerhaus irgendwo im Wald.
Da kam so viel mehr bei rum.